“Sie könnten auch alle abwaschen, ich würde es nicht sehen.”

Wie kommt man gegen die kollektive und alleinige Nutzung von Google Scholar als Fachinformationsquelle an? Was haben Webinare mit dem neuen Konzept der Informationskompetenzvermittlung in der ZBW zu tun? Wie unterstützt die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen „gestrandete” Nutzer persönlich bei der Recherche?

Von Annabelle Quehl

 

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Die Moderatorin Anne Christensen (links) mit den Referent*innen Nicole Clasen, Rachel Ellis und Tim Schardelmann (von links nach rechts), Foto: bibliotheksnews/aq

 

 

 

Der serviceorientierten Lösung der Problematik toter Links bei der Recherche im Katalog haben sich Rachel Ellis und ihr Team der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen angenommen. Ausgangsbasis ist die E-LIB Wissensbasis. Nutzer werden einer Masse an heterogenen Quellen in Suchergebnissen überlassen und gelangen unter Umständen aufgrund toter Links nicht zu den gewünschten Ressourcen. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat das Team um Rachel Ellis im Rechercheportal bei einer Vielzahl von Datensätzen einen Service-Button eingefügt. Dieser “Wie finde ich diesen Artikel?”- Button generiert eine E-Mail an das vierköpfige Team, das die Anfrage innerhalb eines 24-stündigen Zeitfensters beantwortet. Besonders betont Ellis hier die individuelle Beratung. So nutzt jedes Teammitglied beispielsweise die persönliche E-Mail-Signatur. Für den Lerneffekt werden die Anfragen, deren Beantwortung und eventuelle Reaktionen hierauf an das gesamte Team gesendet.

Für die Kunden ergeben sich aus diesem Serviceangebot Nutzen wie schnelle Antworten, eine inhaltliche Beratung und mögliche Empfehlungen zur Recherche. Für die Bibliothek bietet diese Art der Kommunikation die einfache Möglichkeit, Fehler im Katalog zu ermitteln und zu korrigieren.

An dieser Stelle fragen sich vermutlich einige, weshalb die Staats- und Universitätsbibliothek hierfür kein Ticketsystem nutzt. Rachel Ellis beantwortet dies damit, dass es zwar die Überlegung gäbe, aber bisher kein System gefunden werden konnte, das den Ansprüchen gerecht werde. Die Ausführungen über die direkte individuelle Hilfe bei der Katalogrecherche schließt sie mit einem Bild der “Wall of Thanks” ab, die positives Kundenfeedback sammelt.

Ein weiteres Mittel zur Deckung von Informationsbedarf bieten Webinare. Der digitale Wandel der Vermittlung von Informationskompetenz im Webinar hat zum Ziel, als regelmäßiges Angebot wahrgenommen zu werden und zwar zielgruppenübergreifend und ortsunabhängig. Das Webinar sollte interaktiv sein. Das modulare Angebot von kurzen Schulungen ist stets freiwillig. So lautet das neue Konzept der ZBW (Leibniz- Informationszentrum Wirtschaft), welches Nicole Clasen, Leiterin der Benutzungsdienste, präsentiert.

Die Ideenentwicklung für das Webinar basiert auf einer Bachelorarbeit, woraus die Zielentwicklung über die Konzeption von drei Modulen bis hin zu Schulungen der Mitarbeiter in Webinar-Form und schließlich der Start des Angebotes entstanden. Seine Geburtsstunde hatte das Projekt im Sommer 2016. Bereits im November 2017 ging Modul zwei von drei online.

Da das Projekt nach dem Motto ‘Learning by Doing’ angesetzt war, gibt es mittlerweile erste Erkenntnisse über nötige Anpassungen. Beispielsweise wird verstärkt in E-Mail- Abbindern oder im Katalog der ZBW geworben. Man geht über zu einer Live- Ansicht und es werden Module der Stufe drei eingeführt. Stufe drei sind Module, die Schulungen zu Citavi oder Ähnlichem bieten. Mit dem Zitat “Sie könnten auch alle abwaschen, ich würde es nicht sehen.” illustriert Clasen die Problematik von Webinaren gegenüber Schulungen Ort. Den Mitarbeitern werden für die Umsetzung und Durchführung dieses digitalen Wandels jedoch explizit Lust auf neue Technik, Mut und Gelassenheit abverlangt. Nicole Clasen weist daraufhin, dass es eine Herausfordeurng ist, eine ideale Zeit für die Webinare zu definieren.

Als weitere Herausforderung zeigt sich, wissenschaftlichen Informationsbedarf genau zu ermitteln und die Resultate umzusetzen. Wie das funktioniert, stellte  Tim Schardelmann von der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen anhand der These “Google Scholar reicht völlig” vor. Am Beispiel des FID (Fachinformationsdienst) Politikwissenschaften und dessen Portal POLLUX, das seit Januar 2018 im Livebetrieb ist, demonstriert die allgemeine Resonanz der Fachcommunity zu derartigen Angeboten im Gegensatz zur Nutzung von Google Scholar. Das Portal zählt aktuell rund 800 angemeldete Nutzer. Man nehme sich Feedback und Verbesserungsvorschläge nach dem ersten Launch zu Herzen, so Schardelmann.

Je individueller und spezieller also Informationsbedarf wird, desto individueller und spezieller werden auch die Angebote der Bibliotheken, die einen hohen Aufwand betreiben, um Kunden eine große Bandbreite an zugeschnittenen Services und Inhalten zu bieten.