Zwischen virtueller Welt und physischen Angeboten der Bibliothek der Dinge

Unter der Moderation von Prof. Dr. Ute Krauß-Leichert, Professorin an der HAW Hamburg, bekamen die Zuhörer*innen Einblicke in das Thema virtuelle Welten und die Bibliothek der Dinge (STUFF4U)

Von Nadine Johl

Zu Beginn der Veranstaltung wurden Dr. Dirk Wissen, Leiter der Reinickendorfer Bibliotheken in Berlin, und Katrin Toetzke, Leiterin der Fahrbibliothek und des Medienzentrums Landkreis Cuxhaven, begrüßt und vorgestellt. Die Nutzung des Internets hat sich in den vergangenen Jahren stetig verändert und weiterentwickelt. Toetzke und Wissen stellten ihre Langzeitstudie „Die Öffentliche Bibliothek als Nutzer und Anbieter der virtuellen Bibliothek“ vor, die auf ihrer gemeinsamen Diplomarbeit aus dem Jahre 1997 beruhte. Die beiden Vortragenden berichteten, dass sie  1997, 2007 und 2017 109 Bibliotheken befragten, wie sie das Internet nutzen und ihren Kunden zur Verfügung stellen. Auf dem 107. Bibliothekartag in Berlin stellten sie nun ihre Ergebnisse vor.  „bibliotheksnews“ führte im Vorfeld ein Interview mit Dr. Dirk Wissen durch.

Die Fragen der Studie beschäftigten sich mit den Problematiken der Internetnutzung, der Ermittlung der Kosten, der Erhebung von Gebühren, der Möglichkeit von Internet-Schulungen, der Voraussetzung eines Bibliotheksausweises und neuen sowie typischen Nutzergruppen. Als besonders problematisch stellte sich in allen drei Umfragen der technische Aspekt heraus. Hier ist allerdings zu beachten, dass es sich um unterschiedliche Schwierigkeiten handelt, da sich die Schwerpunkte im Bereich Internetnutzung verschoben haben. Weitere Probleme waren rechtlicher, personeller, organisatorischer oder finanzieller Natur. Auffällig ist allerdings auch, dass um die 60 Prozent der befragten Bibliotheken im Jahr 2007 keine Probleme mit der Internetnutzung hatten, anders als zuvor im Jahre 1997 zirka zwölf Prozent und danach in 2017 zirka 23 Prozent. Betrachtet man die Erhebung von Gebühren für die Internetnutzung pro Stunde, so fällt auf, dass sich die Bibliotheken 1997 größtenteils auf drei Bereiche verteilen. Ungefähr 20 Prozent von 66 Bibliotheken  gaben an, über drei Euro Gebühren zu verlangen, während um die 13 Przent gar keine Gebühren nehmen. Um die 27 Prozent von 77 befragten Bibliotheken im Jahr 2007 gaben an, zwei Euro als Nutzungsgebühr festgelegt zu haben. Um die 40 Prozent der befragten Bibliotheken im Jahr 2017 erhoben keine Gebühren. Ein weiterer Gesichtspunkt war das Anbieten von Internet-Schulungen. Diese wurden verstärkt 1997 angeboten und nahmen über das Jahr 2007 bis ins Jahr 2017 ab. Auch zu den Bereichen Altersbeschränkung und Benutzergruppen wurden Daten erhoben und ausgewertet.

Als nächste Referentin begrüßte die Moderatorin Clara Simon, Mitarbeiterin der Bücherhallen Hamburg. Nach einer kurzen Vorstellung der Hoeb4U erläuterte sie das Konzept der Bibliothek der Dinge „STUFF4U“. Dieses wurde zum einjährigen Jubiläum der Jugendbibliothek Hoeb4U  umgesetzt. Die Bibliothek der Dinge bietet eine Auswahl unterschiedlichster Gegenstände zur Freizeitgestaltung. Kriterien für die Anschaffung sind der Preis und die Möglichkeit zur einfachen Wartung. Beispiele sind die Hängematte, das Zeichentablet oder das Teleskop. Als Rahmenbedingungen wurden eine nicht verlängerbare Leihfrist von zwei Wochen und eine Gebühr von einem Euro festgelegt. Auch ist das Ausleihen der Gegenstände zurzeit auf drei Dinge begrenzt, die nur während der Servicezeiten ausgeliehen bzw. zurückgegeben werden können. Des Weiteren ist das Angebot zu diesem Zeitpunkt ausschließlich für Jugendliche zwischen 13 und 23 Jahren möglich. Dies soll sich jedoch ändern, wenn das Konzept auch in anderen Bücherhallen  umgesetzt wird. Bei der Einarbeitung der Gegenstände werden die einzelnen Bestandteile erfasst und anschließend in eine Plastikbox oder eine passende Tasche, die mit der entsprechenden Mediennummer versehen ist, für die Nutzer zur Verfügung gestellt. Zu finden sind diese Gegenstände zurzeit in den ehemaligen Spinden der Hoeb4U. Am besten wurden in der vergangenen Zeit die technischen Geräte angenommen, nicht so gut ausgeliehen wurden die Outdoor-Gegenstände. In Aussicht stellte Clara Simon abschließend die Ausweitung der Nutzergruppe auf alle Altersstufen, mit einem speziellen Angebot für Senior*innen. Außerdem soll das Konzept in fünf weiteren Stadtteilbibliotheken umgesetzt werden. Auch über eine Verlängerung der Ausleihfrist wird nachgedacht.

 

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Von links nach rechts: Clara Simon, Mitarbeiterin bei den Bücherhallen Hamburg, und Tracy Riemer, stellv. Leiterin Stadtbibliothek Köln. Foto: bibliotheksnews/nj

 

Von der Bibliothek der Dinge, führte uns anschließend Tracy Riemer, Mitarbeiterin der Stadtbibliothek Köln, in die virtuelle Welt ein. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen und der Google Zukunftswerkstatt (Deutschland) nahmen sie an dem Pilotprojekt „Google Expeditions“ teil, an dem insgesamt sechs Pilotbibliotheken beteiligt  sind. Am Anfang ihres Vortrags gab sie einen kurzen Einblick in das Thema virtuelle Realität (VR) und stellte anschließend das Projekt vor. Zur Verfügung gestellt wurde der Stadtbibliothek Köln sogenannte Expeditions-Kits, bei diesen handelt es sich um Koffer mit integriertem WLAN-Router, die ebenfalls einen Klassensatz an Smartphones und ein Tablet für den Expeditionsleiter oder auch Guide enthalten. Zusätzlich gibt es Begleitmaterial wie Lesetipps oder Aufgaben. Benutzt wird das Expeditions-Kit für Klassenführungen und Projekte mit Schulen. Tracy Riemer geht ebenfalls auf die Vorteile von VR ein und präsentiert diverse durchgeführte Schulprojekte wie „Vom Dinosaurier zum Fossil“ für Kinder zwischen sieben und zehn Jahren oder die interkulturelle Veranstaltung „Essen und Gewürze aus aller Welt“. Zum Schluss berichtete sie über die Vor- und Nachteile von VR im Bezug auf das Projekt Google Expeditions. Als positive Punkte wurden unter anderen die beiderseitige Begeisterung, die einwandfrei funktionierende Technik, sowie die Verknüpfung von Theorie und Praxis genannt. Als nicht so negativ wurden das Koffergewicht und die lange Vorbereitungszeit auf die einzelnen Expeditionen.