Open Access in der Kritik

In der Session „Open Access – Zukunftsfähig?“ wurde kontrovers diskutiert welche Probleme bei Open Access gerne übersehen werden, warum das Konzept von Open Access noch einmal überdacht werden sollte und warum der Titel der Veranstaltung irreführend ist.

Von Maximilian Keuenhof

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Von links nach rechts: Frank Scholze, Rafael Ball, Ulrich Herb, Julia Goltz-Fellgiebel, Markus Putnings. Bibliotheksnews/mk

Zu Beginn gab Rafael Ball, Direktor von der Eidgenössischen Technischen Hochschul-Bibliothek in Zürich zu bedenken, dass zwar jeder im Bibliothekswesen Open Access kennen würde aber bei der aktuellen Debatte manche Themen bewusst übersehen werden. Dies war unter anderem seine Motivation diesen Vortrag zu halten.

Seiner Meinung nach besteht bei wissenschaftlichen Autoren zum Beispiel ein mangelndes Kostenbewusstsein. Viele Wissenschaftler haben keinen Begriff davon, wie viel ein Jahresabonnement von einem wissenschaftlichen Journal kostet und Ball fordert hier dringend Aufklärung. Er schlägt zum Beispiel vor, dass Wissenschaftler die Zeitschriften für ihre Veröffentlichung nicht allein nach der Reputation aussuchen, sondern auch nach wirtschaftlichen Aspekten wählen. Er merkt jedoch auch an, dass dies im Kontext einer freien Wissenschaft kein einfacher Schritt sei. Eine weitere Schwierigkeit mit Open Access sieht Ball bei der Monopolisierung der Großverlage. Diese sei durch Open Access kaum zu stoppen und es sei auch keine Lösung des Problems. Des weitern könne man auch keine Open-Access-Strategie planen und die Großverlage dabei ausklammern. Außerdem sieht Ball Schwierigkeiten bei der Planbarkeit der Ausgaben für Literatur und der APCs (Article Processing Charges) seitens der Bibliotheken aber vor allem auf Seite der Autoren. Viele Autoren können die APCs schlicht weg nicht stemmen. Dies würde die Diversität bei den Publikationen einschränken und vor allem geisteswissenschaftliche Publikationen benachteiligen.

Eines der größten Probleme sieht der Redner bei der Rechtssicherheit. Bislang haben Einrichtungen wie Bibliotheken einige wenige Verträge mit den Verlagen oder entsprechenden Aggregatoren abgeschlossen. Mit Open Access hingegen muss mit jeder Autor*in ein Vertrag über APCs geschlossen werden. Diese hält er aber abermals nicht für informiert genug, beziehungsweise als nicht genug bewandert in Rechtsfragen. Er macht sich Sorgen, dass bei Unmengen von kleinen Verträgen sowohl die Bibliotheken als auch die Autor*innen den Überblick verlieren. Verlage liefern aber die Journals  wegen des festen Vertrags, da sie sonst Strafen zahlen müssen und dies bietet allen eine umfassende Rechtssicherheit. Dieser Aspekt wirkt sich, so Ball, auch auf die Langzeitarchivierung aus. Die Verlage sind verpflichtet die lizensierten Artikel rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen. Bei einer hohen Anzahl von vielen verschiedenen Verträgen kann man schnell den Überblick verlieren und es ist unmöglich nachzukontrollieren ob die wissenschaftlichen Beiträge wirklich dauerhaft verfügbar sind.

Schliesslich löste der Direktor der ETH-Bibliothek eine Kontroverse damit aus, dass er auf vermeintliche Trittbrettfahrer hinwies. Im Fokus stehen bei ihm die Großkonzerne, die sehr viel Geld in wissenschaftliche Veröffentlichungen investieren und die von Open Access auf Kosten der öffentlichen Träger profitieren könnten. Seiner Meinung nach stellt dies einen Finanzierung von Konzernen durch die Öffentlichkeit dar.

Der zweite Redner, Ulrich Herb, von der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek, konnte seinem Vorredner nur beipflichten, milderte die Spannung im Saal aber damit ab, dass man das Fragezeichen im Titel der Session streichen könne, da er Open Access für zukunftsfähig hält, aber eben nicht so wie es sich die Open Access Befürworter derzeit vorstellen.  Abgerundet wurde die Veranstaltung von Frau Julia Alexandra Goltz-Fellgiebel von der Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) und Markus Putnings von der Friedrich-Alexander-Universität (FAU), die gemeinsam das Projekt „Deep Green – Gemeinsam den grünen Schatz heben“ vorstellten und noch einmal ein Plädoyer für den Grünen Weg von Open Acceess hielten. Der Vorsitzende der Session, Frank Scholze vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schloss mit den Worten: „Die Bibliothekare haben sich die Aufgabe gesetzt die Probleme der Wissenschaft zu lösen und kamen dabei ins Stolpern.“