Learning by doing – Forschungsdatenmanagement in der Praxis

Der Digital Turn ist unaufhaltbar und Schlagworte wie Big Data und Open Science sind in aller Munde. Wissenschaftliche Bibliotheken haben schon immer den Forschungsprozess begleitet und leisten heute einen essenziellen Beitrag für ein zukunftsorientiertes Datenmanagement. Die Referent*innen der Veranstaltung „Forschungsprozess und Datenmanagement“ berichteten unter Moderation von Prof. Dr. Heike Neuroth (Fachhochschule Potsdam) von ihren Erfahrungen in einem Feld, das in wissenschaftlichen Bibliotheken eine immer größere Rolle spielt.

Von Madgdalena Eberle

Marina Lemaire, Referentin für Projektmanagement im Bereich digitaler Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften im Servicezentrum eScience der Universität Trier, versucht in ihrer Arbeit Geisteswissenschaftler*innen zu vermitteln, dass diese das Handwerkszeug zum erfolgreichen Forschungsdatenmanagement bereits mitbringen. Viele Forscher*innen aus den Geisteswissenschaften schrecken vor den technischen Anforderungen des Datenmanagements zurück, dabei sind gerade sie geübt im kritische Umgang mit Untersuchungsmaterial. Die ideale Voraussetzung zur Erstellung von Metadatenschemata! Durch gutes Forschungsdatenmanagement, so Lemaire, häufe sich ein immer größerer Datenberg an und schaffe so neue Möglichkeiten die Methoden der Geisteswissenschaften weiterzuentwickeln.

me1

Von links nach rechts: Moderatorin Heike Neuroth mit den Referent*innen Marina Lemaire, Thomas Seyffertitz, Sonja Hendriks und Ania López. Foto: bibliotheksnews/me

Forschungsdatenmanagement erleichtert den Datenaustausch auch beim interdisziplinären Arbeiten. Und dass dieses voll im Trend liegt, konnte Thomas Seyffertitz, Fachreferent für Wirtschaftswissenschaften an der Universitätsbibliothek WU Wien, durch eigene Forschungen belegen. Er beeindruckte bei der Präsentation seiner Ergebnisse zum Status Quo des Datenmanagements an der WU Wien vor allem durch das Ausmaß seiner Arbeit. Aus quantitativen Analysen des Forschungsoutputs der WU in Fachzeitschriften und durch qualitative Interviews mit Forscher*innen, entwickelt er unter anderem eine Forschungsdaten-Policy, die die disziplinären Besonderheiten der Wirtschaftswissenschaften beachtet. Diese, kündigte Seyffertitz an, solle im Herbst fertiggestellte sein.

Dr. Ania López und Sonja Hendriks von der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen stellten ihre Erfahrungen mit dem Research Data Management Organiser (RDMO) vor. Das Tool ermöglicht die Erstellung von Datenmanagementplänen, bei deren Pflege und Anfertigung Bibliotheken die Forscher*innen unterstützen. Ihre Erfahrungen zeigen, dass ein Interesse für wissenschaftliche Tätigkeiten für die Arbeit eines Data Librarians wichtiger ist, als disziplinspezifisches Fachwissen. Am Ende forderte Lòpez dazu auf, schon im Bachelor-Studium einen stärkeren Fokus auf das Forschungsdatenmanagement zu legen. Denn – und darin waren sich alle Referent*innen einig – die Verknüpfung von Forschungsprozess und Datenmanagement bietet ein großes Handlungsfeld für Bibliothekar*innen.