Wie vielfältig ist Deutschlands Bibliothekspersonal?

Diversity – Ein Thema das in allen Bereichen unseres Alltages eine wichtige Rolle eingenommen hat. Auch in Bibliotheken ist dieses Thema mit Veranstaltungen zur Interkulturalität und einem weitgefächerten Medienangebot angekommen. Doch macht alleine das äußere Angebot eine Bibliothek vielfältig? Betrachtet man das Personal in vielen Bibliotheken genauer, fehlt es noch oft an Vielfalt. Wie man das ändern kann, dazu diskutierten Anne Barckow, Bücherhallen Hamburg Zentralbibliothek Abteilung Sprachen, Interkulturelle Dienste und Pädagogik und Frauke Untiedt, Leiterin der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg mit ihren eingeladenen Impulsgebern*innen und anschließend auch mit dem Publikum zu dem Thema „ Das Bibliothekspersonal – Ein Spiegel der Gesellschaft ?!“.

Von Kim-Aylin Kirchner

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Von links nach rechts: Amandeep Saini-Egbers, Suela Jorgaqi, Dr. Sabine Homilius, Anne Barckow, Dirk Arndt, Frauke Untiedt, Daniel Gyamerah, Tina Echterdieck, Britta Schmedemann und Andrea Q. Jamison. Foto: bibliotheksnews/kk

Eine Einstimmung in das Thema gab Andrea Q. Jamison unter dem Titel „Diversity – why it still matters“. Sie wuchs in einer von Armut geprägten Gegend Amerikas auf und die Literatur Zora Neale Hurstons offenbarte ihr mehr Perspektiven. Inzwischen ist sie selbst Bibliothekarin und betont, dass Bibliotheken Menschen und insbesondere Kinder in eine Welt der Vielfalt führen.

Ein Beispiel für ein divers aufgestelltes Bibliothekspersonal stellte Suela Jorgaqi von der Pestalozzi Bibliothek in Hardau, Schweiz vor. Die Bibliothek zeichnet sich durch ihre Lage in einer Gegend mit einem hohen Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund aus. Daher hat sich die Bibliothek in Gänze an die entsprechenden ethnischen Zielgruppen angepasst. Damit ist vom Angebot der Bibliothek über die Öffentlichkeitsarbeit, z.B. in Form von Flyern, bis hin eben zum Personal jeder Aspekt gemeint. Man versteht sich als transkulturellen Ort, der über die klassische Bibliothek hinausgeht und in dem alle Kulturen zusammenkommen können und präsent sind.

Dirk Arndt, Leiter der Abteilung Person & Recht von visitBerlin stellte die Initiative „Berlin braucht dich“ vor. Dabei handelt es sich um ein berufliches Qualitätsnetzwerk das eng mit Betrieben und Schulen zusammenarbeitet, um Jugendlichen und insbesondere Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine bessere Berufsorientierung zu bieten und diese auch zu vermitteln. Dies sei auch eine Möglichkeit um mehr Vielfalt in Bibliotheken zu holen.

„Diversity muss Querschnittsaufgabe sein in allen Bereichen der Bibliothek“ sagte Tina Echterdiek, Leiterin der Zentralbibliothek Bremen in ihrem Vortrag über die Diversity-Kompetenzen von Bibliothekaren*innen. Seit 2016 ist jeder einzelne Mitarbeiter verpflichtet an Diversity-Trainings teilzunehmen. Diese sollen die Selbstreflexion der Belegschaft fördern, denn die Diversity-Kompetenz beginnt bereits dort. Diversity muss gelebt werden und das nicht nur von außen, sondern auch von innen. Die wahrnehmbaren Effekte sind eine offenere Grundhaltung und mehr Selbstvertrauen bei schwierigen Situationen im Umgang mit Kunden*innen. Idealerweise gibt es eine konkret zuständige Person, die für Diversity steht und diese auch umsetzt.

Für Daniel Gyamerah, Projektleiter von „Vielfalt entscheidet – Diversity in Leadership“ bedeutet Diversity Management vor allem Inklusion und den Abbau aller einstellungs-, struktur- und prozessbedingten Barrieren die bewirken, dass Individuen oder Gruppen diskriminiert werden oder an der Gesellschaft oder bestimmten Organisationen nicht teilhaben können. Diese gilt es zu identifizieren und gezielt zu beseitigen.