Öffentliche Bibliotheken im digitalen Zeitalter

Mit Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, Direktor der Büchereizentrale, Geschäftsführer des Büchereivereins Schleswig-Holstein und Präsident des bibliothekarischen Dachverbands BID als Moderator wurden unterschiedliche Bereiche zum Thema Öffentliche Bibliotheken im digitalen Zeitalter aufgegriffen.

Von Nadine Johl

„Wir müssen strukturbildend arbeiten“, forderte Dr. Achim Bonte, stellvertretender Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), im Rahmen seines Vortrags beim 107. Bibliothekartag. Er berichtete über die Lage vieler kleiner Bibliotheken. Diese verlieren unter anderem durch kurze Öffnungszeiten und den Mangel an (PC-)Arbeitsplätzen, sowie wenig Personal den Anschluss und können die Erwartungen, die heutzutage an öffentliche Bibliotheken gestellt werden, nicht mehr erfüllen. Die Folge ist eine geringere Nachfrage. Als Beispiel nannte er die Bibliothek Bennewitz in Sachsen. Für solche Bibliotheken ist es wichtig, interkommunal zusammenzuarbeiten bzw. diese Zusammenarbeit zu stärken. Es muss an den Strukturen gearbeitet werden. Betroffene Bereiche sind bspw. Digitalisierung und Personalmanagement.

Bibliotheksplan 2021
„Braucht es heutzutage überhaupt noch Bibliotheken?“ Mit dieser Frage eröffnete Marion Gamper, geschäftsführende Amtsdirektorin des Südtiroler Amts für Bibliotheken und Lesen, ihre Präsentation. Das Thema war der Bibliotheksplan 2021. Dieser wurde im Rahmen des Bibliotheksforums 2015 entwickelt und beim Bibliotheksforum 2016 vorgestellt und diskutiert. Sie beschrieb die Vorgehensweise und die Struktur des Bibliotheksplans 2021 und stellte einzelne Leitsätze, Handlungsfelder und Maßnahmen vor. Als Beispiel diente ihr das Handlungsfeld 2, das sich mit der Ausweitung des digitalen Medienangebotes beschäftigt. Die Maßnahmen beziehen sich auf das zur Verfügung gestellte Budget und die Ausleihzahlen. Des Weiteren geht das Handlungsfeld 5 auf die Fähigkeiten der Mitarbeiter*innen im Bereich Digitale Bibliothek ein. Als Maßnahmen sind Fortbildungsbroschüren mit mindestens zwei einschlägigen Fortbildungsveranstaltungen jährlich festgelegt. Außerdem wird der Besuch dieser Fortbildungen im Bereich „Digitale Bibliothek“ in den „Auditstandard“ integriert.

Den rote Faden finden
Die Sprecherinnen Sonja Bluhm, Beraterin und Coach, Anja Hollmann, Mitarbeiterin in der Fachstelle NRW, und Petra Böhler-Winterberg, Leiterin der Stadtbücherei Olsberg stellten drei Perspektiven zur Fortbildungsmöglichkeit „Den rote Faden finden – wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie“ vor. Im Vordergrund standen die Besonderheiten, die verschiedenen Schritte und die Rückmeldung der Bibliotheken. Zu den Besonderheiten gehörten die Erstellung eines individuellen Konzeptes, ein ausführliches Feedback, sowie eine begleitete Umsetzung, aber auch Team- und Führungsarbeit und Change- und Qualitätsmanagement werden angeboten. Der erste Schritt zur Erreichung eines guten Konzeptes ist dann bspw. die Analyse des Ist-Zustandes und des Umfeldes. Diese Daten werden dann gesammelt und ausgewertet, woraus sich dann wiederum Schlüsse ableiten lassen, die über die Zuordnung zu Handlungsfeldern und die Definition von Zielen zu konkreten Maßnahmen führen. Am Ende dieses Veranstaltungsteils berichtete Petra Böhler-Winterberg von ihren Erfahrungen mit dieser Fortbildung. „Ein Konzept umzusetzen ist ein Langstreckenlauf.“, so Petra Böhler-Winterberg, aber es schaffe Klarheit über das eigene Handeln und bringe die Teilnehmer*innen dazu, „nicht nur zu reagieren, sondern zu agieren.“

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Foto: Sonja Bluhm (Beratung und Coaching), Anja Hollmann (Mitarbeiterin in der Fachstelle NRW) und Petra Böhler-Winterberg (Leitung der Stadtbücherei Olsberg) (von links nach rechts), Foto: bibliotheksnews/nj

Wertzumessung für öffentliche Bibliotheken
Wie ermittelt man den ökonomischen Wert einer Bibliothek? Ulrike Koop, Leiterin der Stadtbibliothek Melle, hat sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und eine Hypothese darüber aufgestellt, welche Faktoren die Höhe des ökonomischen Wertes beeinflussen können. Eine weitere Hypothese war, dass sich die Einschätzung des ökonomischen Wertes unterscheidet, je nachdem, ob man die Einwohner oder Politiker befragt. Dabei geht sie insbesondere auf die Zahlungsbereitschaft ein. Einflussfaktoren für die Zahlungsbereitschaft der Einwohner waren bspw. der Lebensstil, die Nutzung der Bibliothek und das Einkommen.