Ein sozialer Ansatz für die Zielgruppenarbeit

Unter dem Titel „Community Engagement und Zielgruppenarbeit“ stellten fünf Vortragende Beispiele für zielgruppenorientierte Bibliotheksarbeit vor. Die Spezialistin für Zielgruppenarbeit in der Stadtbibliothek Bremen und Mitglied der dbv-Kommision für interkulturelle Bibliotheksarbeit Britta Schmedemann führte durch die Vortragsreihe.

Von Clara Berrisch

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Die Vortragenden (v.l.n.r.): Rebecca Ullmer (FH Wiener Neustadt), Amandeep Saini-Egbers (Bücherhallen Hamburg), Sarah Dudek (Stadtbibliothek Köln), Anne Barckow (Bücherhallen Hamburg), Britta Schmedemann (Moderation, Zielgruppenbeauftrage Stadtbibliothek Bremen), Yilmaz Holtz-Ersahin (Stadtbibliothek Duisburg) und Karsten Schuldt (Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur), Foto: bibliotheksnews/cb

Den Einstieg machte Karsten Schuldt (Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur) mit dem Vortrag „Bibliothek und Armut: Was kann die Öffentliche Bibliothek wirklich tun?“. Er betonte, dass in öffentlichen Bibliotheken zwar der gute Wille da sei, jedoch häufig die Komplexität des Armutsthemas nicht vollständig verstanden würde. Als ersten Schritt sieht Schuldt daher das Verstehen und Informieren, Verstehen, wie Armut funktioniert, und Informieren über Bedürfnisse und Wünsche von Menschen in Armut.

Von einem Projekt, das unter anderem die gleiche Zielgruppe ansprechen soll, berichtete Rebecca Ullmer (Fachhochschule Wiener Neustadt). Die Fusionierung der wissenschaftlichen Bibliothek der Fachhochschule Wiener Neustadt und der Öffentlichen Bibliothek der Stadt Wiener Neustadt macht den Weg frei für ein innovatives Gesamtkonzept. Das neue Konzept sieht fünf Schwerpunkte vor: „Kinder, Jugend, Senioren/Demenz, Migration und Armut“. Unter anderem durch Workshops wurden und werden Nutzerwünsche generiert, Personal geschult und Netzwerke aufgebaut. Die neue Bibliothek sehe sich in der Pflicht, für alle Bewohner ein breites Angebot aufzustellen und als sozialer und konsumfreier Raum zu fungieren. Als Beispiel hierfür und Teil des neuen Konzepts nannte Ullmer die Abschaffung der Jahresgebühren ab 2019.

Durch das Projekt „sprachraum“  verbindet die Stadtbibliothek Köln zwei Zielgruppen, nämlich Geflüchtete und gebürtige Kölner, die helfen wollen. Sarah Dudek informierte darüber, dass mehr als 100 Ehrenamtliche den „sprachraum“ an sechs Tagen und insgesamt 25 Stunden die Woche betreiben. An diesem Lernort und Treffpunkt werden interkultureller Austausch angeregt, Deutsch gelernt oder Alltagsfragen beantwortet. Weiterhin ist die Stadtbibliothek Köln an einem Projekt der EU mit dem Namen „A Million Stories“ beteiligt. Hierfür sammelt die Stadtbibliothek Köln mithilfe von Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern Geschichten aus dem Leben von Geflüchteten, die gemeinsam mit Ergebnissen der anderen Projektpartner auf einer Website veröffentlicht werden.

Ebenfalls Mitglied der dbv-Kommission interkulturelle Bibliotheksarbeit ist Yilmaz Holtz-Ersahin (Stadtbibliothek Duisburg). Wie es verschiedene Sprachen gebe, so gebe es auch verschiedene Ideologien, Meinungen und Verständnisse von Demokratie. Die Stadtbibliothek Duisburg bietet durch die „Demokratieführung“ Unterstützung für die Integration, indem interkulturelle Bildung und Anerkennung der kulturellen Vielfalt gefördert wird.

Anne Barckow und Amandeep Saini-Egbers von den Bücherhallen Hamburg gaben einen Überblick über ein neues Konzept, das nachhaltig interkulturelle Öffnung fördern soll. Bei der Umsetzung dieses Konzepts erhalten die Bücherhallen Hamburg Unterstützung durch das Förderprogramm „360°“ der Bundeskulturstiftung. Das neue Konzept soll die langjährige interkulturelle Arbeit der Bücherhallen nun auch in Leitbild und Organigramm festhalten.