Interview zur Langzeitstudie über die Virtuelle Bibliothek

Dr. Dirk Wissen, Leiter der Reinickendorfer Bibliotheken in Berlin, und Katrin Toetzke, Leiterin der Fahrbibliothek und des Medienzentrums Landkreis Cuxhaven, haben gemeinsam die Langzeitstudie „Die Öffentliche Bibliothek als Nutzer und Anbieter der Virtuellen Bibliothek“ durchgeführt. Auf dem 107. Bibliothekartag in Berlin stellen sie die aktuellen Ergebnisse vor. Die Langzeitstudie hat die gemeinsame Diplomarbeit „Die Öffentliche Bibliothek als Nutzer und Anbieter der Virtuellen Bibliothek“ als Grundlage, die 1998 den Innovationspreis erhielt. Nadine Johl von bibliotheksnews hat Dr. Wissen zur  Studie befragt.

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Bildunterschrift: Katrin Toetzke und Dr. Dirk Wissen auf dem 107. Bibliothekartag. Foto: bibliotheksnews/nj

bibliotheksnews: Was hat Sie dazu motiviert diese Langzeitstudie zu starten?

Dr. Dirk Wissen: Als meine Kommilitonin Katrin Toetzke und ich an unserer Diplomarbeit schrieben, haben wir keineswegs daran gedacht, eine Langzeitstudie zu starten. Glücklicherweise blieben wir beide in Kontakt und als uns nach zehn Jahren auffiel, wie aktuell unser Thema noch war, befragten wir die gleichen Bibliotheken einfach noch mal. Und an dieser Aktualität hat sich heute, nach 20 Jahren, nichts verändert. Es gibt nur neue Schwerpunkte: Vor 20 Jahren war es die „Vernetzung“, vor zehn Jahren die „Mobilität“ und heute das Thema „Robotik und KI“.

Bibliotheksnews: Welche großen Themen sehen Sie für die Zukunft?

Wissen: Sehr gute Frage, die uns bestimmt auch vom Publikum auf dem Kongress gestellt wird, doch betrachten wir nicht die Zukunft mit unserer Studie. Dies ist nicht der methodische Ansatz, es ist ja z. B. keine Delphi-Studie. Somit kann ich die Zukunft nur erraten, vielleicht wird es nach Robotik und KI in zehn Jahren ein sehr soziales Thema in Bezug zum Internet geben, da sich Kryptowährung als Fake herausstellte. Oder es wird um das Thema „Papier“ gehen, da dieses nicht mehr wie wir es heute kennen geben wird, sondern polymorph.

bibliotheksnews: Was ist für Sie die optimale Entwicklung in Bezug auf die virtuelle Bibliothek?

Wissen: Gibt es eine optimale Entwicklung? Jeder empfindet individuell was für ihn optimal ist. Es kommt also auf die Perspektive an, was den Einen motiviert, z. B. Robotik und dessen positiv neuen Möglichkeiten zu erkennen ist für den Anderen abschreckend. Meine persönliche Perspektive geht aktuell in Richtung kritische Betrachtung von Mobilität und Robotik. Ich bin sehr gespannt, wie die Zukunft fachlich aussehen wird und wohin uns die Digitalisierung führen wird, glaube aber, dass jede Bibliothekarin und jeder Bibliothekar hierbei mitgestalten sollte.

bibliotheksnews: Werden Sie in dieser Richtung weiterforschen?

Wissen: Das kommt auf die Kritik bzw. Rezeption bezüglich der Publikation an. Nein, das war ein Scherz. Heute, nach zwanzig Jahren und immer noch gegebener Aktualität denke ich, das Thema „Internet“ auch 2027 aktuell sein wird. Also ja, die 109 Bibliotheken dürfen sich freuen, wieder einen Fragebogen von uns zu erhalten. Die Frage ist nur wie: der Erste wurde per Post als Brief versandt, der Zweite als E-Mail-Anhang und aktuell wurde ein Link zu einem Umfrageportal gesendet.