Ausstellung „Bibliotheken im Nationalsozialismus“

2018 jähren sich die in zahlreichen deutschen Städten öffentlich durchgeführten Bücherverbrennungen zum 85. Mal. Sie bildeten das Fanal, welches die beginnende Verfolgung politisch unliebsamer und vor allem jüdischer Autor*innen ankündigte. Auch für Bibliotheken hatte dies einige Folgen.

Von Arne Schiffler

Wie diese Folgen aussehen konnten, darüber gewährt eine gemeinsame Ausstellung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, des Aktiven Museums Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. und der Zentral- und Landesbibliothek Berlin Einblicke. Die Ausstellung Berliner Bibliotheken im Nationalsozialismus kann während des gesamten Bibliothekartages in der Galerie neben dem Tagungsraum Lyon besichtigt werden.

Bibliotheken-NS

Blick in die Ausstellung „Berliner Bibliotheken im Nationalsozialismus auf dem 107. Bibliothekartag in Berlin. Foto: bibliotheksnews/as

Um die Auswirkungen der Machtübertragung an die Nationalsozialisten auf den bibliothekarischen Sektor nachvollziehbar zu machen, haben die Ausstellungsmacher*innen exemplarisch sieben sehr unterschiedliche Berliner Bibliotheken untersucht. Viele der Maßnahmen der Nationalsozialisten betrafen das Bibliothekspersonal. Zahlreiche Mitarbeiter*innen verloren ihre Anstellungen, alleine 44 Bibliothekar*innen in Berlin. Unliebsame Bibliotheken wie die Bibliothek der jüdischen Gemeinde oder die Bibliothek des Instituts für Sexualwissenschaft mussten im Laufe der Naziherrschaft schließen, ihr Bestand wurde beschlagnahmt oder verbrannt.

Aber Bibliotheken und Bibliothekar*innen waren nicht nur Opfer des Naziregimes, sondern auch Profiteur*innen und Mittäter*innen. Tausende Werke aus beschlagnahmten, zwangsverkauften oder in den besetzten Gebieten geplünderten Bibliotheken und Privatsammlungen gingen in die Bestände staatlicher deutscher Bibliotheken über, wo sie sich z.T. bis heute befinden. Auch waren es Bibliothekar*innen, die mit „Schwarzen Listen“ die Grundlage für die Indizierung zahlreicher Werke schufen.

Nach dem Bibliothekartag ist die Ausstellung noch bis zum 31. Oktober in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz besuchbar.