„Open Access wird nicht durch Abwarten Realität, sondern durch Zusammenarbeit!“

Die öffentliche Arbeitssitzung „Open Access: Ein Thema für die Erwerbung?“ der dbv-Kommission für Erwerbung und Bestandsentwicklung legte die Veränderung der Erwerbungsprozesse, die einhergehenden Chancen sowie Risiken und die Grenzen des aktuellen Trends Open Access dar.

Von Madeleine Bondesen

Susanne Göttker ist Vorsitzende der dbv-Kommission Erwerbung und Bestandsentwicklung, Leiterin des Dezernates Integrierte Medienbearbeitung sowie der Abteilung Integrierte Medienbearbeitung Monographien und Fachreferentin für Allgemeines/Informationsbestand der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Göttker moderierte die Sitzung und machte dem Plenum die Vortragenden bekannt. Zunächst gab Dirk Pieper, ständiger Vertreter der Leitenden Bibliotheksdirektorin der Universitätsbibliothek Bielefeld, in einem Vortrag unter dem Titel „Herausforderungen und Chancen der Open-Access-Transformation für die Medienerwerbung in Bibliotheken“ einen Überblick wie in Deutschland die Initiative Open Access 2020 etabliert wird. Danach sprachen Anke Rautenberg und Dr. Anja Oberländer über die Integration von Open Access-Publikationsgebühren in das Etatverteilungsmodell und in den Erwerbungsgeschäftsgang. Rautenberg ist am Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum (KIM) der Universität Konstanz in der Bearbeitung für die Sachgebiete Digitale Bibliothek, Lokaldaten und Team eMedien/ePublikationen beschäftigt und Oberländer als Referentin für Elektronisches Publizieren und Open Access zuständig. Der Managing Director der Initiative Knowledge Unlatched Dr. Sven Fund schloss die Veranstaltung mit dem Vortrag „Möglichkeiten des Open Access bei geisteswissenschaftlichen Monographien“ ab.

Die Vortragenden und Leiterin der öffentlichen Arbeitssitzung (v.l.n.r.): Dr. Sven Fund, Dr. Anja Oberländer, Anke Rautenberg, Dirk Pieper, Susanne Göttker. Foto: bibliotheksnews/mb

Am Anfang der Veranstaltung legte Göttker den Arbeitsverlauf der dbv-Kommission Erwerbung und Bestandsentwicklung in der Zeit vom letzten Bibliothekartag bis heute dar. Letztes Jahr setze sich die dbv-Kommission Erwerbung und Bestandsentwicklung u. a. mit der Erwerbung der Next-Generation-Systeme auseinander, beispielsweise Alma. Am Ende ihrer Einführung stellt sie klar, dass Open Access nicht nur eine Zukunft habe, sondern bereits in der Gegenwart angekommen sei.

Pieper stellte in seinem Vortrag fest, dass Open Access ein nach wie vor kontrovers diskutiertes Thema sei, u. a. erkennbar an einem Beitrag von Dr. Rafael Ball, Leiter der Bibliothek der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, kurz ETH Zürich. Des Weiteren stellte er Ralf Schimmer als wesentlichen Protagonist der Open-Access-Transformation vor. Schimmer sage, dass Open Access einerseits als Prinzip bereits Standard sei, andererseits im Erwerbungsalltag und in Subskriptionssystemen noch nicht ganz angekommen sei. Darüber hinaus seien zwar alle politischen Player für Open Access, jedoch liegt der Anteil der Open-Access-Publikationen bei 14%. Pieper konstatierte am Ende seiner Präsentation, dass es andere Angebote geben würde, mit denen man Informationen ohne Bibliotheken finden würde bzw. Nutzer und Nutzerinnen an den Informationsangeboten der Bibliotheken vorbeigehen würden.  Auf der einen Seite seien die Forderungen nach Open Science sowie Open Access, auf der anderen Seite liefe die Informationsversorgung in großen Teilen heute ohne Bibliotheken ab. Somit sehe er Symptome für disruptive Veränderungen im wissenschaftlichen Publikationssystem, die Bibliotheken durch unterstützende Services meistern würden.

Rautenberg und Oberländer bestätigten Piepers Vortrag mit der Aussage, dass Open Access zwar eine schöne Idee sei, jedoch in der Praxis bezüglich der Erwerbung mühsam sei. Oberländer und Rautenberg teilten mit dem Plenum die Erfahrung des KIM bezüglich der Erwerbung von Open-Access-Publikationen, dazu gehörten Hinweise zu den Themen, wie man den Anteil der Open-Access-Publikationen über 14 Prozent steigen könne. Ein Rat von Rautenberg: „Wenn einer nicht mehr weiter weiß, bilde er einen Arbeitskreis.“

Anschließend äußerte sich Fund in seiner Präsentation zu dem Thema Möglichkeiten des Open Access bei geisteswissenschaftlichen Monographien in Bezug auf die Initiative Knowledge Unlatched. Er berichtete über die Vermeidung von ungewolltem Double Dipping und dass sich zum Beispiel Knowledge Unlatched dafür einsetze, dass Verlage Werke unter der Creative-Commons-Lizenz CC-BY (Namensnennung) veröffentlichen. Er witzelte damit, dass sich eventuell auch ein Mark Zuckerberg oder Elon Musk dafür einsetzen könne, Gelder für Open Access in den Geisteswissenschaften bereit zu stellen. Zum Abschluss stellte er fest: „Open Access wird nicht durch Abwarten Realität, sondern durch Zusammenarbeit!“