Kontakte und Kooperationen mit Kitas und Schulen

In der Vortragsreihe stellten sechs Referentinnen aus drei Bibliotheken und einer Institution Projekte und Konzepte rund um das Thema Kooperationen mit Kitas und Schulen vor. Dabei nannten sie nicht nur, was bei solchen Kooperationen berücksichtigt werden muss, sondern gaben Anregungen für die Umsetzung in der eigenen Bibliothek.

Von Elisabeth Baumann

Die Referentinnen der Vortragsreihe Kontakte und Kooperationen mit Kitas und Schulen v.l.: Clara Simon (Hoeb4U), Janette Achberger (Hoeb4U), Susanne Brandt (Büchereizentrale Schleswig-Holstein), Magdalena M.M. Schneider (Büchereien Wien), Angelika Riedel (Stadtbibliothek Würzburg) und Liv Heim (Stadtbibliothek Würzburg), Foto: bibliotheksnews/eb

Meike Betzold von der Stadt- und Schulbibliothek Kelsterbach führte durch die Veranstaltung. Der erste Vortrag stammte von Janette Achberger, Leiterin der Jugendbibliothek Hoeb4U der Bücherhallen Hamburg, und ihrer Kollegin Clara Simon. Die beiden stellten unter dem Titel „#space4U & #events4U – das neue Erfolgsmodell der Hamburger Jugendbibliothek Hoeb4U“ das Konzept der Hoeb4U vor, welche im September 2016 von ihrem alten Standort in den Altonaer Zeisehallen in die Räume der Zentralbibliothek am Hühnerposten gezogen ist. Den Entwurf für die neue Jugendbibliothek, der in nur wenigen Monaten umgesetzt wurde, hat die Innenarchitektin Janka Riedel erarbeitet. Das Ergebnis ist ein durchgestyltes Raum- und Einrichtungskonzept.

Innerhalb der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg sei die Jugendbibliothek schwer zu finden, meinte Achberger. Daher wurde ein neues Leitsystem mit Pfeilen, die durch das Treppenhaus weisen, eingeführt. Damit soll garantiert werden, dass die Bibliotheksnutzer den Weg von den Räumlichkeiten der Zentralbibliothek in die Hoeb4U finden.

Die Hoeb4U richtet sich vor allem an Kunden im Alter von 13 Jahren bis Anfang 20. Achberger sagte jedoch: „Die Bibliothek selbst können auch Jüngere und Ältere benutzen, was sie auch tun.“ Im Gegensatz zum alten Standort verfügt die neue Hoeb4U über einen Gaming- und Eventbereich. Beim Betreten der Jugendbibliothek landet der Bibliotheksnutzer vor einer Foto-Box, welche im ersten Moment an einen Body-Scanner am Flughafen erinnert. Die Foto-Box lädt dazu ein, „Spaßfotos“ zu machen, die hinterher als E-Mail verschickt werden können. „Die Foto-Box ist wirklich der Renner bei uns. Die wird ständig benutzt“, so Achberger.

Ein weiteres besonderes Highlight der neuen Jugendbibliothek ist das Charging Bike, mit dem man durch genügend Strampeln sein Handy aufladen kann. Ebenso wurde das Veranstaltungskonzept der Hoeb4U erweitert. Die Workshop- und Veranstaltungsformate sind breit gefächert, wobei sich die Japanisch-Kurse, das Emoji-Häkeln und die Origami-Workshops großer Beliebtheit erfreuen. Viele erwachsene Bibliotheksnutzer, die eigentlich nicht mehr in die Zielgruppe der Hoeb4U fallen, haben ebenfalls großes Interesse an den Veranstaltungen bekundet. Leider achtet die Hoeb4U auf die Einhaltung der für die Workshops vorgegebenen Altersgrenze. Aufgrund der hohen Nachfrage sollen demnächst einige Workshop-Formate der Hoeb4U auch für Erwachsene in den Bücherhallen angeboten werden.

Als nächstes präsentierte Magdalena Martha Maria Schneider, Verantwortliche für den Bereich Bibliothekspädagogik bei den Büchereien Wien, in ihrem Vortrag „Die Bibliothekarin bin jetzt ich!“ die Kooperation mit der Wiener Kinderstadt „Rein ins Rathaus“.

Die Büchereien Wien besitzen 40 Standorte. In einem Bezirk sind sie jedoch nicht angesiedelt und in eben diesem Bezirk befindet sich das Rathaus. Dort wird seit 2003 jedes Jahr für eine Woche im August die Kinderstadt „Rein ins Rathaus“ veranstaltet. Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren können dabei spielerisch in die Berufe von Erwachsenen schlüpfen oder „studieren“. Dort verdienen sie (Spiel-)Geld und wählen jeden Tag eine neue Regierung.

Die Stadtbücherei in der Kinderstadt wurde anfangs wie die anderen Bereiche von einem externen Verein betreut. Allerdings war der Beruf des Bibliothekars nicht so beliebt bei den Kindern. Aus diesem Grund wurde eine Kooperation mit den Büchereien Wien geschlossen, die seit 2014 die Stadtbücherei in der Kinderstadt mitbetreuen. Mithilfe der Mitarbeiter der Büchereien Wien lernen die Kinder die Aufgaben und das Arbeiten in einer Bibliothek kennen. Sie entscheiden selbst, wie die Bücher aufgestellt werden und entwerfen eine eigene Systematik. Die Büchereien Wien bringen dazu jedes Jahr 200 bis 300 Bücher mit. Darüber hinaus katalogisieren die Kinder im Programm Bibliotheca und beraten die aus anderen Kindern bestehende Kundschaft bei der Buchauswahl und -suche. „Die Kinderstadt ist nochmal eine andere Art, mit den Kindern in Kontakt zu kommen“, so Schneider.

Besonders die „Studierenden“ nutzen die Bibliothek als Informationsquelle. Zudem spielt sich hier fast die gesamte Bürokratie ab: Kinder können sich für Post, Rathauswache, Umweltamt und vieles andere anmelden. Für die Jüngeren gibt es einen Bastelbereich, in dem Lesezeichen und Minibooks gestaltet werden können, und am Ende der Kinderstadt wird jedes Jahr eine Stadtchronik veröffentlicht.

Laut Schneider hat sich bereits nach zwei Jahren der Kooperation gezeigt, dass sich die Stadtbücherei in der Kinderstadt zu einem wichtigen Treff- und Informationspunkt entwickelt hat. Des Weiteren bezeichnete sie das Konzept als eine besonders erfolgreiche Form der angewandten Bibliothekspädagogik und hofft, dass andere Bibliotheken dazu angeregt werden, ähnliche Konzepte umzusetzen.

Angelika Riedel, Leiterin der Kinder- und Jugendbücherei der Stadtbücherei Würzburg und ihre Kollegin Liv Heim legten in ihrem Vortrag „Schulkooperationen: Hinter den Kulissen“ ihren Fokus auf organisatorische Faktoren für eine erfolgreiche Kooperation mit Schulen. Die Stadtbücherei Würzburg begann 2006 damit, Lehrerkonferenzen in Grundschulen zu besuchen und dort nach den Wünschen der Schulen zu fragen. Daraufhin konnte 2008 der Runde Tisch „Bibliothek und Schule“ initiiert werden, bei dem noch heute über Angebote der Stadtbücherei Würzburg gesprochen wird und Lehrer sich gegenseitig erprobte Konzepte, z. B. in der Leseförderung, vorstellen.

Die erste vertraglich festgelegte Kooperation schloss die Stadtbücherei Würzburg 2012 mit einem Würzburger Gymnasium, auf die zwei weitere folgten.

Riedel zufolge entstehen durch Kooperationen viele Vorteile. Schüler und Schülerinnen lernen durch die systematischen und regelmäßigen Bibliothekskontakte den selbstverständlichen Umgang mit einer Bibliothek. Außerdem wird ihnen die Möglichkeit gegeben, den Nutzen der Bibliothek für Freizeit, Schule und Beruf zu erkennen. So kann die Bibliothek auch als Ort des lebenslangen Lernens wahrgenommen werden. Riedel betonte, dass vertraglich vereinbarte Kooperationen Vereinbarungen zwischen der gesamten Schule und der Bibliothek seien, die sich durch Verbindlichkeit und ihren systematischen Aufbau auszeichnen.

Zu den Grundvoraussetzungen einer Kooperation zählen die Bereitschaft des Kollegiums oder zumindest der Fachschaft Deutsch, hinter dem Kooperationsvertrag zu stehen. Darüber hinaus sollte die Schulleitung den Vertrag befürworten. Für die Vertragsaushandlung sollte ein Musterkooperationsvertrag als Grundlage verwendet werden. In dem endgültigen Kooperationsvertrag sollte aufgeführt werden, welche Angebote oder Module der Bibliothek genutzt werden, für welche Klassenstufen sie durchgeführt werden und wie diese sinnvoll den Lehrplan ergänzen können. Außerdem empfehle sich die Benennung von je zwei Ansprechpartnern aus der Bibliothek und der Schule. Abschließend sollte der Kooperationsvertrag von der Schul- und der Bibliotheksleitung unterzeichnet werden. Sinnvoll sind zudem jährlich stattfindende Kooperationstreffen der im Kooperationsvertrag genannten Ansprechpartner. „Kooperationstreffen sind wichtig, um die Weichen für das nächste Jahr zu stellen“, sagte Riedel. Laut Heim werden die Kooperationstreffen auch genutzt, um neue Module und Ideen zu entwickeln.

Die Stadtbibliothek Würzburg freute sich besonders über die Wertschätzung, die ihr durch die Kooperationen zuteil wurde. Darunter fallen z. B. persönliche Einladungen zu Veranstaltungen der Schulen, positive Rückmeldungen einzelner Lehrer und die Weiterempfehlung an andere Schulen durch Fachschaftskontakte.

Der Vortrag soll eine Hilfestellung für andere Bibliotheken darstellen, die selbst vertraglich festgelegte Kooperationen mit Schulen eingehen möchten.

„Sprache als Schlüssel zur Welt: Bibliotheken und Sprach-Kitas in guter Partnerschaft“ lautete der Vortrags-Titel von Susanne Brandt von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein. Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas. Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ wird von 2016 bis voraussichtlich 2020 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und richtet sich an Kitas, in denen es viele Kinder mit einem hohen Bedarf an sprachlicher Bildung und Förderung gibt. Um für das Sprachförderprogramm in Frage zu kommen, müssen sich die Kitas bewerben. Bereits jetzt gibt es über 3000 Sprach-Kitas und es werden noch viele weitere in der zweiten Förderrunde folgen. Das Projekt „Mit Worten wachsen“ der Büchereizentrale Schleswig-Holstein ist mit Fördermitteln in Höhe von 10.000 Euro gestartet.

Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein hat 50 Bibliotheken angesprochen, welche Kontakte zu den Sprach-Kitas geknüpft haben. Im Rahmen des Projektes bieten die Bibliotheken vor Ort den Sprach-Kitas Medienboxen mit ca. 15 Medien an. Außerdem können Wochenend-Rucksäcke für Familien ausgeliehen und auf Wunsch Kamishibai-Material ausgegeben werden. Laut Brandt soll das Projekt durch Inklusion, Diversität und die Förderung der Sprach- und Verständniskompetenzen in allen Lern- und Lebensbereichen nachhaltig sein.

Zu den drei wichtigsten Zielbereichen des Projektes zählen alltagsintegrierte sprachliche Bildung, inklusive Bildung und die Zusammenarbeit mit den Familien. Kinder sollten in allen Alltagsbereichen in ihrer Sprachentwicklung angeregt werden – mit Büchern als Teil ihres Alltags. Wichtig ist es, den Kindern genügend Zeit für die eigene Wahrnehmung und die Auseinandersetzung mit dem Fremden zu lassen. Sprachanlässe können darüber hinaus durch eine sensible Auseinandersetzung mit kulturübergreifenden Grunderfahrungen, wie z. B. Angst und Freude, geschaffen werden. Dazu hat die Büchereizentrale Schleswig-Holstein die Auswahlliste „Anders…als du denkst!“ erstellt. Ein sprachangeregtes Umfeld kann auch zu Hause geschaffen werden; dazu erhalten Eltern im Rahmen des Projektes vielfältige Anregungen. „Es gibt viele Möglichkeiten, um Literacy in den Familien zu unterstützen“, so Brandt.