Aktualisierung der „Ethischen Grundsätze der Bibliotheks- und Informationsberufe“

Im Jahr 2007 wurden vom  Bibliothek und Information Deutschland e. V. (BID) auf der Grundlage des IFLA-Ethikkodex’ die „Ethischen Grundsätze der Bibliotheks- und Informationsberufe“ erarbeitet. Diese Richtlinien geben Ratschläge für ethische Grundsätze im Umgang der Bibliotheksmitarbeiter untereinander und mit den Nutzern. Zehn Jahre sind seitdem vergangen und unsere Gesellschaft hat sich signifikant geändert. Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, Präsident des Dachverbandes BID, beabsichtigt eine Aktualisierung dieser „Ethischen Grundsätze“.

Von Nadia-Vera Niemann

BID-Präsident Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, Foto: bibliotheksnews/nvn

Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen betonte zu Beginn der Veranstaltung „Bibliothekarische Berufsethik im Dachverband BID“, dass es sich hierbei um keine reine Vortragsveranstaltung handle, sondern mehr eine Diskussion sei, um die Fachbesucher aktiv an der weiteren Gestaltung des neuen Grundsatzpapiers für die bibliothekarische Berufsethik einzubeziehen.

Lorenzen stellte die zur Beratung des BID-Vorstands zum Umgang mit ethischen Fragen und zur Aktualisierung der „Ethischen Grundsätze“ von 2007 ins Leben gerufene externe Arbeitsgruppe vor. Ihr gehörten Prof. Dr. Gabriele Berger von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Susanne Met von den Leipziger Städtische Bibliotheken, Dr. Carola Schelle-Wolff von der Stadtbibliothek Hannover, Dr. Renke Siems von der Universitätsbibliothek Tübingen sowie Dr. Bernhard Tempel von der Technische Informationsbibliothek Hannover an.

Im weiteren Verlauf legte Lorenzen den aktuellen Stand der Überlegungen dar und gab die Themen und Punkte für das neue Grundsatzpapier bekannt. Susanne Metz und Carola Schelle-Wolff von der Arbeitsgruppe waren bei der  Veranstaltung anwesend und gingen auf die Fragen und Vorschläge der Anwesenden ein, denn die Aufforderung zur Diskussion wurde von den Anwesenden intensiv genutzt.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe mit BID-Präsident (von links nach rechts) Susanne Metz, Dr. Carola Schelle-Wolff, Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, Foto: bibliotheksnews/nvn

Die Arbeitsgruppe bezog in die Aktualisierung des Grundsatzpapiers die Aspekte Zugang zu und Vermittlung von Informationen, Verhältnis zu Anspruchsgruppen und Akteuren wie Nutzern, Kunden und Öffentlichkeit,  Zuwendungsgebern und  Geschäftspartnern,  Kollegen sowie das Berufsumfeld Integrität und Fachkompetenz ein.

Diskussionsbedarf gab es unter anderem bei einzelnen Punkten zum Thema „Zugang zu und Vermittlung von Informationen“. Bei der Aussage von Lorenzen „Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab“, welche auch wieder im Grundsatzpapier verankert werden soll, musste zunächst (gemeinschaftlich) geklärt werden, dass es sich hier um Nachzensur handelt und nicht um Vorzensur. Zum Punkt „Unterstützung bei der Recherche und Förderung der Lese-, Medien- und Informationskompetenz“ wurde rege darüber diskutiert, ob der Zusatz „kritische“ Informationskompetenz sinnvoll wäre. Schelle-Wolff erklärte, es handle sich um eine Definition, man solle sich generell kritisch mit Informationsgewinnung auseinandersetzen.

Weiterhin kam man beim Punkt „Gesellschaftliche Teilhabe durch einen entgeltfreien oder zumindest kostengünstigen Zugang zu unseren Beständen und Dienstleistungsangeboten ermöglichen“ des Themas „Nutzer, Kunden und Öffentlichkeit“ zu dem Schluss, dass die Entscheidung bei den Unterhaltsträgern läge, ob sie dieses unterstützen.

Zum Thema Kollegen/Kolleginnen und das Berufsumfeld wurde beschlossen, Berufserfahrung weiterzu geben und Berufsanfänger zu unterstützen. Zudem soll die regionale, nationale und internationale Zusammenarbeit gefördert werden. Führungskräfte sollen eine Kultur der Kooperation, des selbst verantworteten Handelns und des gegenseitigen Vertrauens entwickeln.

Zum Thema „Integrität und Fachkompetenz“ wurden vereinbart, die Verbesserung fachlich relevanter gesetzlicher und berufsständischer Regelungen umzusetzen. Bibliotheken und Informationseinrichtungen sehen sich als Orte des lebenslangen Lernens und zugleich als lernende Organisationen, die ihre Dienstleistungsstandards fortlaufend verbessern

Zum Ende der Veranstaltung betonte Lorenzen, dass sich der BID für das Arbeiten nach ethischen Grundsätzen im beruflichen Umfeld einsetze. Dies solle durch laufende Information und durch berufliche Aus- und Weiterbildung sowie durch Kooperation mit den Organisationen passieren. Weiterhin werde der BID in der Fachöffentlichkeit zu grundsätzlichen ethischen Fragen Stellung beziehen. Ziel sei es, die Diskussion über die Grundsätze mit der Fachöffentlichkeit aktiv zu betreiben, diese regelmäßig zu überprüfen und alle fünf Jahre zu überarbeiten.