Podiumsdiskussion zum Thema „Digitale Bibliotheksstrategien“ mit Bibliotheksleitern aus Deutschland und dem Ausland

Dr. Arne Ackermann, Direktor der Münchner Stadtbibliothek, Brian Bannon, der Direktor der Chicago Public Library (CPL), Dr. Hildelies Balk-Pennington de Jongh, Head of Marketing & Services in der Königlichen Bibliothek Niederlande (KB) und Dr. Achim Bonte, Stellvertreter des Generaldirektors der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), stellten bei einer Podiumsdiskussion die digitalen Strategien ihrer Einrichtungen vor, diskutierten über damit verbundene Themen wie Personalentwicklung und wagten einen Blick in die Zukunft.

Von Theresa Joest

Die Diskussionsteilnehmer mit Moderator: Dr. Hildelies Balk-Pennington de Jongh, Dr. Arne Ackermann, Oliver Buschek, Dr. Achim Bonte (von links nach rechts), Foto: bibliotheksnews/tj

Unter dem Titel „Digitale Bibliotheksstrategien – notwendiges Übel oder Erfolgsrezept?`“ fand ein interessanter Gedanken- und Meinungsaustausch statt. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Oliver Buschek vom Bayerischen Rundfunk und Veranstalter war der Deutsche Bibliotheksverband (dbv). Sie fand im Rahmen der Abschlussveranstaltung der Kampagne „Netzwerk Bibliothek“ statt. Diese bundesweite Bibliothekskampagne des dbv stellt digitale Angebote, Services und zeitgemäße Veranstaltungsformate sowie aktuelle Trends der Bibliothekslandschaft in den Mittelpunkt. Die Kampagne läuft von Oktober 2014 bis Juli 2017.

Die digitale Strategie der Chicago Public Library ist in den übergeordneten Fünfjahresplan “Building the Library of the Future: CPL Strategy 2015-2019” eingebettet, erklärte Brian Bannon. Bibliotheken bewegen sich weg von einem reinen Aufbewahrungsort für Bücher, hin zu einem Ort, zu dem man online 24 Stunden am Tag Zugang hat, Programmieren lernen oder den 3D-Drucker ausprobieren kann. Diese Entwicklung gestaltet die CPL mit. Unter anderem mit dem Angebot eines Digital Media Labs für Jugendliche und einem Makerspace für Erwachsene.

Brian Bannon von der Chicago Public Library auf dem Bibliothekartag, Foto: bibliotheksnews/tj

Als nächstes stellte Arne Ackermann kurz die „Vision 2020“ der Münchner Stadtbibliothek vor, bei der es auch darum geht, welche Rolle sie in der Stadtgesellschaft übernehmen will und was sie den Menschen bieten möchte. Die Vision beinhaltet u. a. die Bekanntheit der Marke zu steigern, den Aufbau einer Community, die Setzung von Themen und agiles Management.

Hildelies Balk-Pennington de Jongh wurde daraufhin auf die frühe digitale Strategie der KB angesprochen, die dort bereits seit 1993 verfolgt wird. In dem Jahr bekam die KB ihre erste Website und entwickelte seitdem ihre digitale Strategie weiter. Bis 2001 lag der Entwicklungsfokus unter anderem auf der Automatisierung des Katalogs und der Vorbereitung der digitalen Erhaltung. In den darauffolgenden Jahren wurde sich verstärkt auf die Digitalisierung konzentriert. Dies bleibt, neben der Fokussierung auf Nutzerservices und neue Veranstaltungsorte, auch für die Zukunft wichtig.

Bausteine der digitalen Strategie der SLUB sind vertiefte partnerschaftliche Zusammenarbeit im Netzwerk, Arbeitsteiligkeit und Spezialisierung in verabredeten Feldern der digitalen Transformation sowie Vorfahrt für digitale Inhalte und quelloffene Entwicklung. Zu den Etappenzielen zählen bspw. die Entwicklung eines leistungsfähigen Intranet, der Abbau von hierarchischem Denken und die Stärkung von individueller Verantwortung und Gestaltungschancen. Achim Bonte betonte aber auch, dass Bibliotheken zum Zusammenführen von Menschen da sind.

Arne Ackermann fügte noch hinzu, dass sich zwar die Rahmenbedingungen der Bibliotheksarbeit verändern, der Bildungsauftrag von Bibliotheken aber bleibt. Die Leseförderung wird auch immer wichtig sein, egal ob sie digital oder analog erfolgt.

Die vier Diskutanten gaben schließlich noch ihre Meinung zu verschiedenen Themen kund. Hildelies Balk-Pennington de Jongh  betonte, dass es beim Thema Public-Private-Partnership wichtig sei, dass die Ergebnisse für alle offen sind und man nicht nur mit einem Partner kooperiert. Arne Ackermann wies darauf hin, dass Bibliotheken trotz der schwierigen Situation bei den Lizenzvereinbarungen von E-Books bisher gut damit umgehen und Achim Bonte gab zu bedenken, dass die Archivierung von Inhalten, z. B. von Twitterbeiträgen neu in der Zukunft sein wird. Für das Bibliothekspersonal werden die Aufgaben in der digitalen Zukunft diversifizierter werden und für die Personalentwicklung sei es wichtig, dass die Mitarbeiter für die neuen Aufgaben motiviert werden, merkte Arne Ackermann an.

Zum Ende der Diskussion wurden die Bibliotheksleiterin und die Bibliotheksleiter noch um einen Ausblick in die Zukunft gebeten. Wo sehen sich die Bibliotheken in zehn Jahren, also in 2027. Die Wünsche der Nutzer werden, so die Teilnehmer, weiter im Fokus stehen und es wird auch weiterhin denen geholfen, die Medien noch verstehen lernen müssen. Ein Bibliotheksgebäude wird es auch noch geben. Die KB wird dann sogar eventuell in einen Neubau umgezogen sein, jedoch muss nicht mehr alles unbedingt vor Ort stattfinden. Egal wo der Nutzer ist, ihm wird geholfen werden. Bibliotheken werden sich noch mehr hin zu einem öffentlichen Ort entwickeln und mehr empfangen als senden, also das Wissen der Nutzer in die Bibliothek hineinholen. Die Besucher werden selbst entscheiden, wofür sie die Bibliothek nutzen.