Entwicklungen und Herausforderungen der Fachinformationsdienste für die Wissenschaft

Im Rahmen der Vortragsrunde „Fachinformationsdienste: Eine Zwischenbilanz“ haben fünf Vortragende Stellung genommen zu der Umwandlung von den Sondersammelgebieten hin zu den Fachinformationsdiensten, wie sie vor vier Jahren eingeleitet wurde. Es wurde beleuchtet wie die Fachinformationsdienste für die Wissenschaft – ein Förderprogramm für wissenschaftliche Bibliotheken der Deutschen Forschungsgemeinschaft – sich in den letzten Jahren entwickelt haben, welchen Herausforderungen sie noch immer gegenüber stehen. Außerdem wurde ein Blick in die Zukunft gewagt. Dr. Beate Tröger (Direktorin der Universitäts- und Landesbibliothek Münster) moderierte die Vortragsrunde und regte die Besucher zu Fragen und Diskussion an.

Von Kristin Ameis

Die Vortragenden mit der Moderatorin, hinten v. l.: Dr. Veit Probst, Dr. Klaus Ceynowa,
vordere Reihe v.l.n.r.: Dr. Beate Tröger, Dr. Anne Lipp, Prof. Dr. Eva Schlotheuber, Katrin Stump
(Foto: bibliotheksnews/ka)

Katrin Stump, Leiterin der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Braunschweig und Mitglied im Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) berichtete aus Sicht dieses Ausschusses über die bisherige Entwicklung der Fachinformationsdienste (FID). Sie zeigte auf, dass nahezu alle relevanten Fachgebiete auch weiterhin im FID-Programm fortgesetzt werden. Besonders in Hinblick auf die in diesem Jahr stattfindende Evaluation der FIDs zog sie ein Fazit. Dabei merkte sie an, dass Teilerfolge mitunter schwierig zu messen seien, da einzelne FIDs erst seit dem Jahr 2016 gefördert werden und eine Bewertung demnach noch zu früh angesetzt ist. Dennoch kann man bereits erkennen, dass die mit den FIDs verbundenen Services im Allgemeinen den fachspezifischen Bedarfen gerecht werden und bereits jetzt ein intensiver Kontakt zur jeweiligen Fachcommunity gegeben ist. Allerdings bestätigte sie in der an den Vortrag anschließenden Fragerunde, dass die Fachreferenten der Bibliotheken, die nicht den FIDs angehören, definitiv stärker mit in die Arbeit der FIDs eingebunden werden sollten.

Dr. Anne Lipp, Leiterin des Förderbereichs Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme der Deutschen Forschungsgemeinschaft knüpfte an den ersten Vortrag direkt an und stellte die Sicht der DFG auf die Entwicklung der FID dar. Zunächst wies sie dabei auf die Herausforderungen hin, die unter anderem darin bestehen, dass die Lernenden der Universitäten nicht zwangsläufig Zugriff auf die Inhalte der FIDs haben. Dies hängt mit der Lizenzierung zusammen. Eine Änderung in diesem Bereich wäre jedoch wünschenswert, so Lipp. Diskussionen diesbezüglich müssten mit dem Kompetenzzentrum für Lizenzierung erfolgen. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die FIDs nach wie vor im Prozess sind und sich noch entwickeln. Eventuell könnte man Best-Practice-Beispiele in der Zukunft auf andere FID übertragen.

Als zweiten wichtigen Punkt betonte Lipp, dass eine verlässliche Finanzierungsperspektive zu entwickeln, die größte Herausforderung für die FIDs insgesamt darstellt. Sie verwies damit auf das Thema Nachhaltigkeit der FIDs. Es sollte eine Art Mechanismus entwickelt werden, der im Laufe der Zeit immer wieder einer Prüfung unterzogen werden würde. Damit schloss sie den Kreis zur bereits vorher angesprochenen Evaluation in diesem Jahr.

Als nächste Vortragende folgte Prof. Dr. Eva Schlotheuber, Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Universität Düsseldorf, die das Thema aus Sicht ihres Fachbereichs Geschichte beleuchtete. Sie ging auch zunächst auf die Bibliothek in ihrer historischen Bedeutung ein und leitete ihre Ausführungen über zum Bedarf der FID, ihr Wissen ebenfalls zu organisieren zu müssen. Es sei wichtig, dass der aufgebaute und an den Bedürfnissen der Fachcommunity orientierte Bestand einerseits verfügbar sei, aber andererseits auch in allen Aspekten verknüpft werde. Damit ist besonders die Verknüpfung der Forschungsdaten mit der bereitgestellten Literatur gemeint. Dies wurde auch in den nachfolgenden Beiträgen hervorgehoben.

Abschließend wies sie darauf hin, dass es leider nicht selbstverständlich sei, dass die Pflege der Projektdaten über einen Lehrstuhlwechsel hinaus bestehen bleibt und damit bisher gewonnenes Wissen und somit auch die aufgebaute Wissensorganisation leicht verloren gehen kann. Dies zu verhindern kann die Universität selbst nicht leisten und könnte eventuell eine Aufgabe der Bibliotheken sein, regte sie an.

Mit dem nächsten Vortragenden Dr. Veit Probst, dem Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg, folgte ein Blick auf eine Bibliothek, die selbst drei Fachinformationsdienste betreibt. Kern seiner Ausführungen war ein Einblick in die verschiedenen Services in den Bereichen E-Publishing und Open Access, die die Universitätsbibliothek Heidelberg übernimmt. Darin eingeschlossen sind Repositorien, das Angebot von E-Journals und E-Books, sowie die Verknüpfung mit aktuellen Forschungsdaten. Dabei wies er darauf hin, dass die UB Heidelberg selbst eigene E-Books publiziert und damit der stetig wachsenden Nachfrage von externen Kooperationspartnern wie der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz entgegenkommt.

Er machte deutlich, dass die UB Heidelberg die FIDs insgesamt als Labore ansieht, die in engem Austausch mit der Wissenschaft stehen und insbesondere eine Chance für große Bibliotheken sein können.

Dr. Klaus Ceynowa, Generaldirektor der Bayrischen Staatsbibliothek München (BSB), blickte ebenfalls aus Sicht der eigenen Bibliothek auf die Bedeutung der FID. Dabei verwies er zunächst auf das Spannungsfeld zwischen der Sammlungspolitik, den digitalen Services, der Etatverantwortung und den Erwartungen der Nutzer, die man im Blick haben muss. Zudem machte er auf die Förder- und Eigenmittel aufmerksam, die die BSB für den FID zur Verfügung hat. Die Relation der beiden zueinander liegt bei eins zu eins, wodurch gerade die Wichtigkeit der DFG-Förderung hervorsticht. Anschließend stellte er Thesen vor, den FID als Forschungsbibliothek wahrzunehmen und machte unter anderen mit dem Ausspruch „Content is King, Context is Queen“ deutlich, dass die FIDs erst durch die Verknüpfung der Informationen, also den Kontext, ihren Wert erhalten.

Abschließend äußerte er den Wunsch, dass die Wissenschaften die Hilfe der FIDs brauchen in Zukunft als Selbstverständlichkeit verstanden wird.