Vorlesen mit Kinderbuch-Apps

Digitale Leseformate besitzen ein großes Potenzial für die Leseförderung. Die Stiftung Lesen hat dazu Veranstaltungskonzepte zum Vorlesen mit Kinderbuch-Apps entwickelt, welche Dr. Sigrid Fahrer in einem Workshop auf dem 106. Bibliothekartag vorstellte.

Von Elisabeth Baumann

Unter der Leitung von Dr. Sigrid Fahrer, Projektmanagerin und Leiterin des Entwicklungsbereichs „Digitales Lesen“ bei der Stiftung Lesen, erfuhren die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer, welche Chancen sich für Multiplikatoren in der Leseförderung und besonders für Öffentliche Bibliotheken durch den Einsatz von Kinderbuch-Apps ergeben. Hier drehte sich alles um die Frage: Wie liest man am besten mit Kinderbuch-Apps? Zu diesem Thema hat die Stiftung Lesen die Dossiers „Vorlesen mit Apps“ und „Ideen für Vorlesestunden mit interaktiven Geschichten-Apps“ veröffentlicht.

In der auf dem Bibliothekartag von Sigrid Fahrer vorgestellten App „Aschenputtel“ vom Carlsen Verlag können Kinder ab 5 Jahren in interaktive Märchenwelten eintauchen, Foto: bibliotheksnews/nvn

 

Nach einer kurzen Einführung führte Fahrer exemplarisch eine Vorlesestunde mit der Kinderbuch-App „Quietsch“ des Autors Florian Felix Weyh durch. „Diese eignet sich hervorragend zur Hörschulung“, sagte die Workshop-Leiterin.

Die zahlreichen Workshop-Teilnehmer schlüpften in die Rolle der Besucher einer App-Vorlesestunde und wurden dazu aufgefordert, ihre Ohren zu massieren und die Augen zu schließen. Anschließend sollten sie bestimmen, woher die abgespielten Geräusche kamen und worum es sich dabei handelte. Fahrer empfahl darüber hinaus, Fotos oder Bilder von den Geräuschquellen zu zeigen und nach dem Vorlesen mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Elemente, die nicht in die Geschichte eingebunden sind, sollten im Anschluss aufgegriffen werden. Die App-Vorlesestunde sollte Fahrers Ansicht nach immer mit einer kreativen Aktion abschließen.

Zu den Auswahlkriterien einer geeigneten Kinderbuch-App zählen laut Fahrer die Alterszielgruppe, die Situationseignung, die Navigation und Technik, die Beachtung des Jugendmedienschutzes, die Interaktions- und die Anpassungsmöglichkeiten.

Des Weiteren hat sich die Stiftung Lesen mit der Rechtsfrage beschäftigt. Dürfen Öffentliche Bibliotheken Kinderbuch-Apps für Bibliotheksveranstaltungen verwenden? Fahrer sagte, dass Verlage gerne Apps für kostenlose Vorlesestunden in Bibliotheken zur Verfügung stellen, aber vorher informiert werden möchten.

Zum Abschluss präsentierte Fahrer kurz die übrigen Konzepte zum Vorlesen mit Kinderbuch-Apps. In der App „Oh, wie schön ist Panama“ ist das Gleiten von Bild zu Bild besonders gut umgesetzt. „Aschenputtel“ bietet viele Interaktionsmöglichkeiten, weshalb eine Auswahl getroffen werden sollte, welche davon man in die Veranstaltung integrieren möchte. „Ab heute sind wir cool“ setzt sich damit auseinander, was dazu gehört, um cool zu sein und bietet damit viel Spielraum, um eine Veranstaltung zu gestalten. In „David Wiesner‘s Spot“ gibt es viele Details zu entdecken, zu denen man sich eine Geschichte ausdenken kann. „BOUM!“ ist eine komplett assoziative App, die sich eher für gemeinschaftliches Erzählen mit älteren Kindern eignet.

Kinderbuch-Apps bieten viele Möglichkeiten, mit der Geschichte zu agieren, in sie einzutauchen und eine emotionale Verbindung aufzubauen. „Das Gespräch über die Geschichte ist genauso wichtig wie das Vorlesen selbst“, verdeutlichte Fahrer.

Dr. Sigrid Fahrer ist Projektmanagerin und Leiterin des Entwicklungsbereichs „Digitales Lesen“ bei der Stiftung Lesen, Foto: bibliotheksnews/nvn

Mehr zu Sigrid Fahrer hier im Interview „Digitale Lesemedien haben ihren Platz gefunden“.