Wie finden Bibliotheken und die Onlinebranche zueinander?

Wie können Bibliotheken die Tools der Online-Unternehmen für sich nutzen? Im Workshop „Alte und neue Wissensinfrastukturen, Bibliotheken und Internetindustrie. Wie finden sie zueinander?“ tauschten sich Teilnehmer unter Leitung von Dr. Achim Bonte und Dr. Jens Mittelbach zum digitalen Wandel aus.

Von Nadja Kardel

Die Digitalisierung ist ein Game Changer, das wissen bereits alle, so Dr. Jens Mittelbach, Leiter der Abteilung Benutzung und Information der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). In der Industrie und in der Kultur- und Sozialwirtschaft ist sie gut zu beobachten. Die neue Nutzerschaft der Bibliotheken wird in einer digitalisierten Welt groß und nutzt diverse Tools zum Austausch und zur Informationsbeschaffung. Doch Bibliotheken neigen dazu, eigene Produkte zu entwickeln, wo bereits etablierte bestehen. Sie schafften sich so Parallelwelten, meinte Dr. Achim Bonte, Stellvertreter des Generaldirektors der SLUB.

Workshop-Teilnehmer in der Diskussion. Foto: bibliotheksnews/nk

Laut Mittelbach gebe es zwei Wege, auf die Digitalisierung zu reagieren. Entweder mit Ablehnung und Restitution oder mit Annahme und Reformation. In Sachen Digitalisierung von Beständen gebe es mehr Möglichkeiten als das reine Einscannen der Medien. Unter anderem könnten Textmining möglich gemacht sowie AV-Medien auf- und nachbearbeitet werden. Die Einrichtung von Maker Spaces sei ebenfalls eine Maßnahme. Dabei würden Codierungskenntnisse immer wichtiger. „Es geht im Prinzip immer darum Wissen zu vermitteln“, sagt Mittelbach. Er spricht davon, die Wissenschaftskommunikation zu fördern und Communities aufzubauen. Dabei sollten die Tools genutzt werden, die bereits jetzt von den Bibliotheksnutzern und teilweise von den Bibliothekaren privat genutzt werden. Die neuen Angebote sollten aber keinesfalls die traditionellen Bibliotheksangebote verdrängen.

In der darauffolgenden Diskussions- und Arbeitsphase wurden verschiedene dieser Tools angesprochen. Unter anderem Pinterest, Flickr, Actionbound und YouTube . Die ZBW in Kiel nutzt zum Beispiel Wikidata zur Steigerung der Semantizität und zur Verknüpfung des Thesaurus. Im Gespräch wurde klar, dass das Wissen über diese Produkte noch aufgebaut werden muss. Verschiedene Kriterien wurden erarbeitet, die zu beachten sind. Darunter die Aktualität, Nachhaltigkeit und Auffindbarkeit (Tagging). Auch die Usability ist wichtig.

Ein weiterer Punkt war die Suche nach Best Practice Beispielen. Jedoch scheinen diese noch entwickelt zu werden. Dafür müssen die Bibliotheken experimentierfreudig sein und selbst ausprobieren. Eine Offenheit für neue Technologien ist nötig. Zusätzlich muss die Entscheidungsebene überzeugt werden und mitziehen. Dafür sollten Strategien entwickelt werden. Ebenfalls wurden die Bibliotheks-Communities erwähnt, um die Zusammenarbeit unter den Bibliotheken zu verbessern.

Teilnehmer in der Gruppenarbeit. Foto: bibliotheksnews/nk