Spielerisch in Bibliotheken lernen

Spielkonsolen steigern die Attraktivität von Bibliotheken – nicht nur für jüngere Nutzer. Gemeinsam mit Studierenden hat Ralf Hebecker, Professor für Gamedesign und -produktion am Department Medientechnik der HAW Hamburg, eine Spielkonsole entwickelt, die in ganz unterschiedlichen Bibliotheken rund um die Alster steht. Nadja Kardel hat ihn für bibliotheksnews dazu interviewt.

Die Kuti-Spielekonsole im Einsatz. Foto: Initiative Creative Gaming / Bente Stachowske

 

bibliotheksnews: Herr Hebecker, woher kam die Idee für Ihre Spielkonsole Kuti?

Prof. Ralf Hebecker: Die Idee für Kuti entstand im Master-Erstsemesterkurs „Game Produktion“ des „Games-Master“ (also ganz genau: des Teilstudiengangs „Games“ im Master of Arts „Zeitabhängige Medien / Sound – Vision – Games“ am Department Medientechnik der Fakultät Design, Medien und Information). Wir wollten eine einfache und absichtlich nur mit wenigen Bedienelementen und Optionen ausgestattete Spielekonsole entwickeln. Vorbilder waren dabei die „Bar-“ oder „Cocktail-Konsolen“ der 70er und 80er Jahre, also tischartige Spielkonsolen mit einem Monitor in der Mitte, an denen sich üblicherweise 2 oder mehr Spieler gemeinsam sitzen und auch mal ein Getränk drauf abstellen konnten.

bibliotheksnews: Wer hat Kuti entwickelt und wer baut die Konsolen?

Hebecker: Die ersten Prototypen haben die Studierenden des Kurses selbst gebaut. Studierende und ich haben dann die ersten „richtigen“ Geräte gemeinsam gebaut und auch direkt an Bibliotheken ausgeliefert. Seit April 2017 habe ich mit „Kuti UG (haftungsbeschränkt)“ eine kleine Firma gegründet, die nun die professionelle Weiterentwicklung, die Produktion und den Kundendienst abdeckt. Weiterhin entwickeln Studierende der nachfolgenden Semester Spiele für den Kuti, die teilweise auch mit echten Lizenzverträgen übernommen werden.

bibliotheksnews: Auf der Homepage heißt es „Kuti bringt den gemeinsamen Spaß klassischer Konsolen zurück“. Was unterscheidet Kuti von anderen, modernen Konsolen?

Hebecker: Etablierte Spielekonsolen sind über die Jahrzehnte immer leistungsfähiger, aber auch immer komplizierter geworden. Nicht selten müssen erst einmal zeitraubende Updates aufgespielt werden, bevor man überhaupt spielen darf. Wir wollten die Unmittelbarkeit alter Kinderzimmer-Konsolen zurückbringen: Anschalten und gleich losspielen war unser Ziel. Gleichzeitig sind die Spiele auf sehr kurze Spielrunden ausgelegt. So kann man schnell mal einige Runden spielen und andere müssen auch nicht so lange warten, bis sie an die Reihe kommen.

Die Kuti-Spielekonsole ist auch für Kinder interessant. Foto: Initiative Creative Gaming / Bente Stachowske

bibliotheksnews: Sie sagen, Kuti passe unter anderem perfekt in Bibliotheken. Gehören Spielekonsolen generell in Bibliotheken und warum?

Hebecker: Generell, weil Menschen es lieben, zu spielen! Menschen lernen – wie alle Säugetiere – von ganz klein auf durch Spielen, ihre Welt zu entdecken und zu verstehen.
Das wissen BibliothekarInnen aber auch schon lange und bieten deshalb analoge Spiele (zum Beispiel Brettspiele) und natürlich auch schon lange Videospiele und Abspielgeräte an. Rechtlich und organisatorisch stellt das allerdings einige Anforderungen: DVDs zerkratzen leicht, Verleihlizenzen gängiger Spiele sind nicht billig und die großen Spielekonsolen sind kleinteilig, empfindlich und mit allem Zubehör ganz schön teuer.

bibliotheksnews: Was spricht speziell für eine Kuti-Konsole?

Hebecker: Weil Kinder Videospiele lieben! Kuti ist für Kinder und Jugendliche (und ein bisschen, meist heimlich, auch für Erwachsene) ein schon fast magischer Anziehungspunkt. Die kindgerecht niedrige Tischform erlaubt es, gemeinsam um den Kuti herum zu sitzen. Das ist ein ganz anderes Setting, als nebeneinander auf einen großen Bildschirm zu schauen oder zwar in einer Gruppe zu stehen, aber auf verschiedene Handys zu gucken. Am Kuti erlebt man die Spiele und den Spaß miteinander. Die Kuti-Spiele sind gewaltfrei und sprechen Geschicklichkeit und Neugier an. Einige der Spiele haben sogar Spielziele, die man nur gemeinsam erreichen kann – eine schöne Abwechslung zum häufig vorherrschenden Kräftemessen. Kuti verfügt ab Werk über verschiedene Frage-und-Antwort-Quizze für Kinder und Jugendliche im Lesealter. BibliothekarInnen können auf Wunsch ganz einfach eigene Quiz-Spiele mit eigenen Themen hinzufügen.

bibliotheksnews: Wo ist die Konsole bereits im Einsatz?

Hebecker: Es gibt in Hamburg und Umgebung bereits Konsolen in der Bücherhalle Hamburg am Hühnerposten, in der HAW Bibliothek am Campus Finkenau und demnächst auch in den Büchereien in Seevetal und Wedel. Außerdem hat die Initiative Creative Gaming mehrere Exemplare, die auf Events und Ausstellungen eingesetzt werden.

 

Prof. Ralf Hebecker ist seit 2012 Professor für Gamesdesign und -produktion an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Ralf hat 30 Jahre Erfahrung als selbständiger und angestellter Designer, Lecturer, Concept Designer, Projektentwickler und -manager für alle Formen von Design- und Medienprojekten und ist Gründer und Geschäftsführer eigener Medienunternehmen. Foto: Bente Stachowske

 

Mehr im Netz: Homepage der Kuti-Spielekonsole: http://kuti-arcade.com/