Podiumsdiskussion „Bibliotheksräume – real und digital“

Zum diesjährigen Thema des Bibliothekskongresses in Leipzig fand am Mittwoch eine Podiumsdiskussion statt, bei der fünf Podiums-Teilnehmer ihre Visionen zur Zukunft von Bibliotheken austauschten. Zugegen war auch ein amerikanischer Gast: Sari Feldman, die ALA-Präsidentin und Leiterin der Cuyahoga County Public Library.

Von Jasmin Meinke

Shelly Kupferberg vom Kulturradio moderierte die Veranstaltung und stellte die Teilnehmer vor. Anwesend war die Direktorin der Stadtbibliothek Köln Dr. Hannelore Vogt, unter deren Leitung die Stadtbücherei Würzburg und die Stadtbibliothek Köln zur „Bibliothek des Jahres“ gewählt wurden. Thorsten Herrmann amtierte bis 2014 als Bügermeister der Stadt Bensheim und agiert als Hessentagsbeauftragter der Landesregierung in der CDU. Zusammen mit Christian Schramm, dem Vorsitzenden des DBV Landesverbandes Sachsen, trugen sie insbesondere im politischen Bereich zur Diskussion bei. Dr. Bernd Schmid-Ruhe, Leiter der Stadtbibliothek Mannheim, war ebenfalls auf dem Podium zugegen. Ein besonderer Gast unter dem Aspekt des Austausches mit den USA war Sari Feldman, die Präsidentin der American Library Association (ALA) und Leiterin der Cuyahoga County Public Library in Parma, Ohio.

v.l.n.r.: Dr. Bernd Schmid-Ruhe, Thorsten Herrmann, Shelly Kupferberg, Hannelore Vogt, Christian Schramm, Sari Feldman. Foto: bibliotheksnews/jm

v.l.n.r.: Dr. Bernd Schmid-Ruhe, Thorsten Herrmann, Shelly Kupferberg, Dr. Hannelore Vogt, Christian Schramm, Sari Feldman. Foto: bibliotheksnews/jm

Um eine Verknüpfung der Thematik zwischen den beiden Ländern Deutschland und USA zu schaffen, erzählte Feldman von der gegenwärtigen Situation der amerikanischen Bibliotheken. Diese würden stark genutzt und bilden einen Anker für die Kommunen, daher sei es wichtig, individuelle Angebote zu schaffen. „Die Bibliothek fungiert als Treffpunkt. Aber es muss auch hier an der Weiterentwicklung gearbeitet werden“, so Feldman. Hannelore Vogt führte an, dass Bibliotheken ein Lernort in vielerlei Hinsichten seien. „Das Lernen findet nicht nur durch Lesen statt, sondern auch durch Kommunikation und Interaktion“, so Vogt. „Die Bibliothek ist ein zutiefst demokratischer Ort, sie gehört den Bürgern. Wir sind die Dienstleister und stellen den Raum und das Material zur Verfügung.“ Christian Schramm ergänzte die Äußerung der Kölner Bibliotheksdirektorin durch folgenden Aspekt: „Jede Bibliothek wird das Echo der Politik brauchen, die neben den Nutzern eine sehr wichtige Rolle spielt.“

Bernd Schmid-Ruhe sprach anschließend über das Problem der Digitalisierung in Bibliotheken: „Die Digitalisierung ist eine Herausforderung, die wir noch nicht verstanden haben. Wir sind nicht die Treiber, sondern die Getriebenen.“ Grund für die Problematik sei die Frage, wie man den digitalen Content am besten an die Nutzer heranträgt. Aber auch das Urheberrecht mache die Digitalisierung für Bibliotheken nicht einfacher, so Schmid-Ruhe. Kurz ging er noch auf das Thema der Unterfinanzierung ein und erntete für seine Aussage Applaus: „Bibliotheken liefern so viel Output und stehen auf der Abschussliste trotzdem ganz oben. Wir müssen uns also nicht nur die Frage stellen, was Bibliotheken in Zukunft machen werden, sondern ob es sie in Zukunft überhaupt noch gibt.“ Der Bibliotheksleiter aus Mannheim rät dazu, in kleinen Schritten immer Neues auszuprobieren und nicht immer zu hinterfragen ob „das“ dann noch im Sinne einer Bibliothek ist. Hessentagsbeauftragter Thorsten Herrmann ergänzte: „Wir müssen es schaffen, die Menschen über das, was eine Bibliothek zu bieten hat, zum Staunen zu bringen.“

Besucher der Podiumsdiskussion in Saal 1. Foto: bibliotheksnews/jm

Besucher der Podiumsdiskussion in Saal 1. Foto: bibliotheksnews/jm

Sari Feldman nannte diesbezüglich Beispiele aus den USA. Hier wurde die Digitalisierung schon in großen Teilen der Einrichtungen erfolgreich umgesetzt. „Über 90 Prozent der amerikanischen Bibliotheken bieten digitale Inhalte an“, so Feldman. Bibliotheken funktionieren auch als Plattform zur digitalen Verbreitung und werden eng mit kreativen Aspekten verknüpft. „Es gibt die Möglichkeit, in der Bibliothek Musik aufzunehmen oder Filme vor einer green wall zu produzieren“, berichtete die ALA-Präsidentin. Anschließend stellt sie noch die „Libraries Transform“-Kampagne vor. Dadurch soll ein Bewusstsein geschaffen werden, was Bibliotheken alles sein können. Es ginge nicht darum, was die Einrichtungen den Menschen bieten können, sondern was sie mit den Menschen machen, so Feldman. Die Kampagne soll vor allem den Standpunkt vermitteln, dass Bibliotheken für die Gesellschaft wirklich wichtig sind und gebraucht werden, und kein einfaches „nice-to-have“ darstellen, wie sie betonte. „Die Kampagne könnte als weltweite Bewegung auf das Potenzial der Bibliotheken aufmerksam machen“, beendete Feldman ihren Vortrag.

Bei der anschließenden Eröffnung der Diskussion für das Publikum wird appelliert, dass Bibliotheken sich mehr in die Politik einmischen müssen. Hannelore Vogt führte dazu abschließend aus: „Bibliotheken müssen selbstbewusster auftreten und vom bibliothekarischen Perfektionismus wegkommen. Rufen Sie sich den Mehrwert der Einrichtung in Gedanken und argumentieren sie damit bei Lobbyarbeit und PR.“