„Kommunikationsarbeit ist Fleißarbeit“

Viele Bibliotheken fragen sich: Wie erreiche ich meine Nutzer wirklich? Müssen alle Kommunikationskanäle abgedeckt werden? Vier Referenten aus drei Bibliotheken berichten über ihre Erfahrungen. 

Von Tina Fast

Kommunikationsstrategien gewinnen für Bibliotheken zunehmend an Bedeutung und standen auch auf dem Bibliothekskongress in Leipzig im Mittelpunkt einer Diskussion: Ute Engelkenmeier von der Universitätsbibliothek der TU Dortmund moderierte die Veranstaltung „Kommunikationsstrategien“ mit Rita Kamm-Schuberth, Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Stadtbibliothek Nürnberg, Silke Glitsch und Kerstin Helmkamp von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit der SUB Göttingen und Doreen Siegfried von der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaft ZBW Kiel.

Ute Engelkenmeier, Doreen Siegfried, Kerstin Helmkamp, Silke Glitsch und Rita Kamm-Schuberth (von links nach rechts), Foto: bibliotheksnews/tf

Ute Engelkenmeier, Doreen Siegfried, Kerstin Helmkamp, Silke Glitsch und Rita Kamm-Schuberth (von links nach rechts), Foto: bibliotheksnews/tf

Alle Referentinnen waren sich einig: Das Kommunikationsverhalten der Menschen hat sich verändert. Das ist allerdings nichts Neues. Kamm-Schuberth fasste es so zusammen: „Es gibt nichts Neues an der digitalen Kommunikationsfront.“  Sie verglich die heutigen Kommunikationswege mit einem Kickerspiel. Ein rascher (Ball-)Wechsel zwischen Sender und Empfänger. Aber Achtung, es kann auch ein Gegentor geben.

Trotz der viel genutzten sozialen Medien soll aber nicht auf die herkömmlichen Kommunikationskanäle verzichtet werden. Sowohl in öffentlichen als auch in den wissenschaftlichen Bibliotheken ist der direkte Dialog zu den Kunden unentbehrlich. Auch über Printmedien werden viele Nutzer erreicht. Es zählen der Inhalt und das Kommunizieren von Serviceangeboten. Stichwort „Content Storytelling“.  Erstrebenswert ist also ein Kommunikationsmix zwischen analogen und digitalen Medien. Dabei ist zu beachten, dass die Kommunikationswege auf den Kunden angepasst sind. Hierzu haben Silke Glitsch und Kerstin Helmkamp von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit an der SUB Göttingen eine Umfrage durchgeführt. Sie wollten herausfinden, wie sich die Nutzer über Bibliotheksangebote informieren. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dezentrale Kommunikationskanäle eine entscheidende Rolle spielen. Studierende sowie Wissenschaftler oder Professoren informieren sich je nach Fakultät überwiegend über die Fakultäts-Webseiten. Ausnahmen sind wie immer vorhanden. Die Stadtbibliothek Nürnberg setzt auf dezentrale Wege. Ihre Strategie ist die Vernetzung über das Web. Die Stadtbibliothek ist mit der Stadt Nürnberg, dem Kulturreferat und der örtlichen Zeitung vernetzt. So können redaktionelle Arbeiten an andere weitergegeben werden, denn in Bibliotheken mangelt es an Ressourcen. Oft werden Praktikanten oder Azubis beauftragt einen Social-Media-Auftritt zu gestalten. Dabei wurde diskutiert, ob Facebook noch ein lohnenswerter Kanal ist. Denn seit Ende 2015 wurde Facebook durch YouTube mit mehr aktiven Nutzern abgelöst.

In der ZBW Kiel wird versucht, das Bild der Bibliothek als schönes Gebäude oder Ort, an dem kulturelle Schätze gesammelt werden, zu verändern. Das Ziel ist die Steigerung der Bekanntheit unter den Wirtschaftswissenschaftlern. Sie sind dabei, Schritt für Schritt Wissenschaftlern in ganz Deutschland zu zeigen, dass die ZBW ein vielseitiges Online-Angebot hat. Siegfried betont, dass sich dieser Wandel aber nicht von jetzt auf gleich realisieren lässt. „Kommunikationsarbeit ist Fleißarbeit“, fasst sie kurz und knapp zusammen.

Fazit: Immer am Ball bleiben. Das Wichtigste ist Trends zu erkennen und abzuwägen, ob ein neuer Kommunikationskanal sinnvoll wäre.