Interview mit BID-Präsident Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen

Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, Präsident von Bibliothek & Information Deutschland (BID) sprach mit Nicole Freitag und Elisabeth Müller von bibliotheksnews auf dem Leipziger Bibliothekskongresses über das diesjährige Gastland USA.

Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen. Foto: bibliotheksnews/nf

Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen. Foto: bibliotheksnews/nf

bibliotheksnews: Aus welchen Gründen hat sich der BID für das diesjährige Gastland USA entschieden?

Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen: Weil wir von unserer Seite her ganz sicher sind, dass die USA viele gute Beispiele für die Bibliothekspraxis haben, die hier in Deutschland im Rahmen eines solches Kongresses vorgestellt werden sollten. Ich finde die Bibliotheken in Amerika großartig. Ihr Selbstverständnis, gerade bei den Public Libraries ist so fundamental unterschiedlich von unseren, dass wir sie uns diesbezüglich zum Vorbild zu nehmen können. Wir müssen daran arbeiten, dass die demokratische und gemeinschaftliche Bedeutung der öffentlichen Bibliotheken hierzulande mit derselben Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft wahrgenommen wird.

bibliotheksnews: Waren Sie schon einmal in Amerika? Welche sehenswerte amerikanische Bibliothek können Sie uns dort empfehlen und warum?

Lorenzen: Da erwischen Sie mich wirklich auf dem linken Fuß (lacht). Ich habe bisher keinen Besuch in Amerika gemacht. Natürlich steht das jetzt an, dass man einen Gegenbesuch macht. Ich habe mich vor kurzem intensiv mit der New York Public Library beschäftigt und denke, das wäre auf jeden Fall interessant, sich die anzugucken. Wobei natürlich klar ist, die Library of Congress und solche Einrichtungen, muss man auch gesehen haben. Aber eigentlich ist jede Public Library, wenn man das aus hiesiger Sicht vergleicht mit der amerikanischen Sicht mit Sicherheit ein Gewinn. Die Bilder bei der Eröffnung des Bibliothekskongresses haben ja auch gezeigt, was das für tolle Einrichtungen sind.

bibliotheksnews: Was können Ihrer Meinung nach deutsche Bibliotheken noch von amerikanischen lernen oder übernehmen?

Lorenzen: Ganz klar Pragmatismus und Niedrigschwelligkeit. Dass man wirklich die Menschen einlädt, in die Bibliothek zu kommen, egal welcher Herkunft und welches sozialen Standes , und das man für diese Menschen eben auch Angebote hat. Und zwar sehr niedrigschwellige Angebote wie einfacher Fortbildung und Infrastruktur. Die digitale Spaltung ist in Amerika ein großes Thema und der wird in Bibliotheken entgegengewirkt, indem man Menschen eben ganz einfache Kurse gibt: Wie gehe ich ins Internet? Wie bewege ich mich dort? Was kann ich dort für einen Nutzen daraus ziehen? Wie bediene ich Word? Wie bediene ich Excel? Also eigentlich Dinge, die für viele selbstverständlich sind. Das wird in Amerika in ganz einfachen Kursen, dann in sehr breitem Umfang dem Menschen so mitgeteilt und dort auch eingeübt.

bibliotheksnews: Welche Highlights des Gastlandes haben Sie auf dem Kongress für sich entdeckt?

Lorenzen: Also meine persönlichen Highlights sind natürlich die persönlichen Begegnungen mit den vielen spannenden Kolleginnen und Kollegen und die große Vielfalt an Themen und Veranstaltungen. Ich habe mich sehr gefreut, Sari Feldman zu treffen. Sie ist eine sehr großartige Persönlichkeit. Ich bin beeindruckt von dem, was sie für das Bibliothekswesen in Cuyahoga County organisiert hat. Die Herausforderungen, die sie schildert, erinnen mich an viele Entwicklungen, die mich im Bibliotheksystem in Schleswig-Holstein beschäftigen. Der Austausch war sehr anregend. Das Bibliothekswesen in Schleswig-Holstein ähnlich zu organisieren, würde mich persönlich und beruflich stark interessieren.