Goethe zu Gast in Leipzig

Vom kollaborativen Schreiben bis zum Lese-Flashmob: Auf dem Bibliothekskongress in Leipzig berichteten die Bibliotheken der Goethe-Institute von ihren faszinierenden Aktionen in aller Welt

von Sarah Martinek

Von links: Stefanie Kastner, Ulla Wester, Hella Klauser, Andrea Bach, Brigitte Döllgast, Sven Mensing. Foto: bibliotheksnews/sm

Von links: Stefanie Kastner, Ulla Wester, Hella Klauser, Andrea Bach, Brigitte Döllgast, Sven Mensing. Foto: bibliotheksnews/sm

Den Goethe-Instituten kommt eine zentrale Rolle in der deutschen Kulturvermittlung im Ausland zu. Wohl keine anderen Bibliotheken prägen das Bild deutscher Bibliotheken in den Ländern der Erde daher so sehr wie die der Goethe-Institute. Mit einer Reihe von kreativen Aktionen werben sie für den kulturellen Austausch, von denen sie einige in Leipzig präsentierten.

Das erste vorgestellte Projekt stammt aus Südamerika:  „Der Zukunftsadapter“ in Brasilien hat unter anderem zum Ziel, einerseits Deutschland mit dem Gastland zu verbinden, andererseits aber auch eine Verknüpfung von analogen und digitalen Inhalten zu erlangen. Hierbei gibt es verschiedene Aktionen der Bibliothek des Goethe-Instituts vor Ort, wie beispielsweise Apps und bestimmte Aktionen zum Community-Building. Ein besonderes Highlight, das von den südamerikanischen Bibliotheken veranstaltet wurde, war ein „Lese-Flashmob“, bei dem in verschiedenen Städten zur selben Uhrzeit Menschen aufgerufen waren, aus ihrem Lieblingsbuch vorzulesen.

Auch auf dem afrikanischen Kontinent überraschen die Goethe-Institute mit ihren Bibliotheken: Brigitte Döllgast, Leiterin der Abteilung Information & Bibliothek für Subsahara/Afrika des Goethe-Instituts, stellt das Projekt „Wiki loves Women“ vor, dessen Bestreben es ist, die Anzahl an Artikeln über wichtige Frauen bei Wikipedia zu steigern. „Wikipedia ist für viele Menschen in Afrika der erste Zugang zu einer Enzyklopädie“, betonte Brigitte Döllgast die Wichtigkeit des Onlinelexikons, dennoch ist es, auch wegen der technischen Möglichkeiten, noch wenig verbreitet. Ziel sei es, eine Community aufzubauen, die unter anderem in afrikanischen Sprachen Beiträge schreiben und hierbei auch über Frauen berichten.

Im Folgenden stellte Ulla Wester aus der Bibliothek des Goethe-Instituts Paris die Initiative „Streaming Egos“ vor, in dem „digitale Identitäten“ verschiedener Länder Südwesteuropas aus eigener Sicht präsentiert werden. Dabei wurden zahlreiche vielfältige und künstlerische Ergebnisse von Netzkulturspezialisten, Künstlern und Autoren eingereicht und auf einer Convention im Januar 2016 vorgestellt. Die erhaltenen Resultate sollen nun aufgearbeitet und publiziert werden.

Ein weiterer Vortrag wurde von der Leiterin der Informations- und Bibliotheksarbeit des Goethe-Instituts in Seoul, Andrea Bach, gehalten. Sie beschäftigt sich mit dem Aspekt der Papierrestaurierung und hat in Zusammenarbeit mit vielen lokalen Bibliotheken und Kollegen das „Glossar Papierrestaurierung“ entwickelt. Die jeweiligen Fachbegriffe wurden in sechs verschiedene Sprachen übersetzt und so die internationale Zusammenarbeit von Buchrestauratoren vereinfacht. Das Glossar ist kostenlos verfügbar: es kann sowohl online eingesehen wie auch in gedruckter Form bestellt werden.

Anschließend präsentierte Marilen Daut, Leiterin der Bibliotheks- und Informationsarbeit am Goethe-Institut in Prag, ein Social-Reading-Projekt, das sich mit den immer stärker aufkommenden Aspekten des kollaborativen Schreibens sowie des direkten Kommentierens von Texten befasst. Hierbei bekamen Studierende die Möglichkeit, online das neue Buch von Saša Stanišić zu lesen und durch eine Kommentarfunktion direkt zu bewerten. Im Laufe des Prozesses schaltete sich neben Moderatoren auch der Autor selbst ein. Dessen Statement nach diesem innovativen und textbasierten Ansatz des Social readings war, dass es durchaus möglich sei, dass die Autoreninstanz sich mit der Zeit auflösen könnte und er sich vorstellen kann, ein gesamtes Buch mit diesen Social Reading-Ansätzen zu schreiben.

Die Flüchtlingsproblematik ist ein momentan vielgenanntes Thema in der deutschen Gesellschaft und hat auch schon längst Einzug in die bibliothekarische Arbeit erhalten. Aufgrund einer finanziellen Spende zur Unterstützung der Flüchtlingsarbeit von Kindern und Jugendlichen hat sich die Bibliothek des Goethe-Instituts Kairo entschlossen, öffentlichen Bibliotheken in Deutschland Kinderbücher in arabischer Sprache zur Verfügung zu stellen. Dies stieß auf eine riesige Nachfrage, was laut Hella Klauser zeigt, wie hoch der Bedarf nach arabischen Büchern ist.

In Mexiko findet jährlich die Feria Internacional del Libro Infantil y Juvenil statt, die Internationale Kinder- und Jugendbuchmesse. Im Zuge des Deutschlandjahres in Mexiko ist Deutschland als Gastland bei der Messe geladen. Sven Mensing, Leiter der Bibliothek des Goethe-Instituts in Mexiko-Stadt, erklärt die hierbei unter anderem anfallenden Aufgaben: die Organisation der Ausstellung, das Einladen von deutschen Autoren als Gäste sowie die Repräsentation des Deutschen Pavillons auf dem Ausstellungsgelände.