Bibliotheksarbeit mit Jugendlichen in Öffentlichen Bibliotheken

In der Vortragsreihe „Bibliotheksarbeit mit Jugendlichen“ wurden drei innovative Angebote für Jugendliche in Öffentlichen Bibliotheken vorgestellt: das „JuWel“ von der Stadtbücherei Münster, „Leih‘ dir ein Vorurteil“ von der Stadtbibliothek Bremen und „Der heilige Gral der Bibliotheken – Videospiele“ von der Stadtbibliothek Katharinen.

Von Anna Göthling

Moderiert wurde die Vortragsreihe von Anika Schmidt von der Stadtbibliothek Bremen. Den Auftakt machte die „Junge Welt“, kurz „JuWel“, der Stadtbücherei Münster. Hier berichtete Ulrike Schönherr, Teamleiterin der Kinderbücherei und „JuWel“, von dem Plan des „JuWel“ bis zur Entstehung, aber auch die Stolpersteine wollte sie nicht verschweigen.

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Ulrike Schönherr beim Vortrag „Ein „JuWel“ ist entstanden!“, Foto: bibliotheksnews/ag

Die Idee entstand 2011/12. In der Planungsphase wurde festgelegt, dass der Bibliotheksbereich modern und freizeitorientiert sein soll. „Eben keine Bibliothek to go“, so Schönherr. 2014 wurde die Junge Welt nach langjähriger Arbeit eingeweiht.  In den Räumlichkeiten befinden sich mobile Möbel, wie zum Beispiel Sitzsäcke. Es sind auch viele Gaming Ecken vorhanden. Dort haben die jungen Besucher Zugang zu „League of Legends“, „Minecraft“ und weiteren Spielen, die höchstens mit FSK 12 versehen sind. „Gutes WLAN ist immer wichtig“, sagt Ulrike Schönherr. Für das „JuWel“ hat die Bücherei einen Medienpädagogen eingestellt, der 24 Stunden in der Woche als „Anwalt“ der Jugendlichen arbeitet. Bei den Jungen ist das „JuWel“ gerade wegen der Gaming-Angebote sehr beliebt. „Die Mädchen chillen lieber“, so Schönherr. Darum brauchen sie noch mehr Angebote für diese Zielgruppe. Ein schwieriger Punkt war die Werbung, hier half Facebook nicht weiter. „Was hilft es, wenn nur die Kollegen den Beitrag liken“, sagt Ulrike Schönherr. Um den Zugang zu den Jugendlichen zu bekommen, hat die Bücherei WhatsApp-Gruppen als Werbemaßnahmen eingerichtet, aber auch auf Mundpropaganda setzt die Bibliothek sehr viel. Auch Poetry Slams veranstaltet sie. Am Ende ihres Vortrags zeigte Schönherr noch den Imagefilm „Stadtbücherei Münster – Junge Welt (JuWel)“.

Britta Schmedemann beim Vortrag „Leih‘ dir ein Vorurteil!“, Foto: bibliotheksnews/ag

Britta Schmedemann beim Vortrag „Leih‘ dir ein Vorurteil!“, Foto: bibliotheksnews/ag

Britta Schmedemann, die in der Stadtbibliothek Bremen für die Zielgruppenarbeit zuständig ist, erzählte in ihrem Vortrag vom Angebot der „Lebenden Bücher“. Dies ist eine Veranstaltung, in der Jugendliche lernen, ihre Vorurteile wahrzunehmen. Die Neunt- und Zehntklässler konnten sich mit Menschen, die einer Minderheit angehören und häufig Vorurteilen ausgesetzt sind, unterhalten und ihnen Fragen stellen. Befragt wurde zum Beispiel ein Rollstuhlfahrer, der von seinen Schwierigkeiten im Alltag berichtete. Diese und andere Begegnungen waren für alle Beteiligten sehr spannend. „Allerdings muss die Schule eine Vorarbeit leisten. Die Kinder müssen Gesprächsführungen kennen lernen und auch etwas über Stereotypen wissen“, betonte Schmedemann. Das Modell „Living library“ gibt es mittlerweile in mehreren Öffentlichen Bibliotheken.

Simon Schultze beim Vortrag „Der heilige Gral der Bibliotheken – Videospiele“, Foto: bibliotheksnews/ag

Simon Schultze beim Vortrag „Der heilige Gral der Bibliotheken – Videospiele“, Foto: bibliotheksnews/ag

Im letzten Vortrag stellte Simon Schultze, der schwerpunktmäßig im Medienlabor der neuen Kinderbibliothek St. Katharinen in St. Gallen arbeitet, das Angebot von Videospielturnieren vor. Dies ist ein Erfolgsmodell aus US-amerikanischen Bibliotheken, das nach und nach auch in deutschsprachigen Bibliotheken Anklang findet. „Videospiele sind gesellschaftlich und kommerziell etabliert. Allerdings gestaltet sich die Ausleihe von Videospielen sehr schwierig“, so Schultze. Darum entschied sich die Schweizer Kinderbibliothek St. Katharinen für Videospielturniere. Zu diesen Veranstaltungen gingen meist doppelt so viele Besucher als zu anderen. „Das Schöne an dieser Veranstaltungsreihe ist, dass immer nur zwei Leute pro Game spielen können.“, berichtet Schultze. Die anderen Jugendlichen haben dann meist Langeweile und werden so in der Wartezeit auf andere Medien aufmerksam.

Alle drei Angebote werden auch in Zukunft betreut und verbessert, denn Jugendliche sind die Zukunft der Bibliotheken.