Apps in Bibliotheken

Mobile Endgeräte haben längst den Weg in private Haushalte gefunden. Immer mehr bewegen wir uns in den digitalen Räumen. Schaffen auch Bibliotheken den Sprung, physische und digitale Angebote zu verbinden? Vier Bibliotheken geben Antworten.

von Tina Fast

Auf dem Bibliothekskongress wurden spannende Konzepte für den Einsatz von digitalen Geräten und Applikationen in vier verschiedenen Bibliotheken vorgestellt. Die Moderatorin Marlene Neumann von der Stadtbibliothek Erlangen führte durch eine Veranstaltung dazu.

Beate Kerkströer (links) und Anja Krokowski (rechts), Foto: bibliotheksnews/tf

Beate Kerkströer (links) und Anja Krokowski (rechts), Foto: bibliotheksnews/tf

Den Anfang machten Anja Krokowski, Leiterin der Kinder- und Elternbibliothek der Stadtbibliothek Gütersloh, und Beate Kerkströer mit ihrem gemeinsamen Projekt „App in die Bibliothek – Digitale Lesewelten“  in der Stadtbibliothek Gütersloh. Als Anstoß für die digitale Leseförderung nahm man den Medienwandel vom Gedruckten zum Digitalen, denn in fast jedem Haushalt ist ein Smartphone vorhanden. Durch Tablet-Geräte in der Bibliothek kann man ein breites Angebot schaffen. Zum Beispiel können mehrsprachige Bilderbuchapps für die Leseförderung von Flüchtlingskindern genutzt werden. Das Projekt besteht aus drei Bausteinen: dem Konzept einer Leseförderung-Veranstaltung, der entsprechenden Öffentlichkeitsarbeit und der Fortbildung von Multiplikatoren.

Die Veranstaltung richtet sich an Kinder im Vorschulalter und deren Eltern. Ziel ist es Digitales und Gedrucktes zu verbinden, um die Kinder spielend an Literatur heranzuführen. Das Erproben der Apps ist für Kinder „eine intensive Beschäftigung mit Literatur“, sagt Kerkströer. Kinder erleben die Geschichten hautnah durch verschiedene Mitmachmöglichkeiten. Es wird gewischt, getippt und darüber gestaunt, wenn Animationen oder Geräusche ausgelöst werden. Gleichzeitig sollen den Eltern die Vorteile der digitalen Leseförderung  gezeigt werden. Nach der Veranstaltung dürfen Groß und Klein nach Herzenzlust  weiter ausprobieren und spielen.

Zukünftig möchte die Bibliothek das Angebot auf Grundschulkinder ausweiten und noch mehr Multiplikatoren für dieses Projekt gewinnen.  „Das Wichtigste ist, dass das Erleben des digitalen Leseabenteuers ein gemeinsames Erleben ist“, unterstreicht Krokowski .

In der Züricher Zentralbibliothek wird zurzeit eine App für Bibliothekseinführungen in Form eines Quiz für Abiturienten entwickelt. Margrit Meyer erklärt, dass „die App auf dem Schulungskonzept aufgebaut ist, aber dieses nicht ersetzt, sondern ergänzt“. Durch Einscannen von QR-Codes, die in der Bibliothek verteilt werden, öffnen sich in der App Fragen, die die Schüler beantworten sollen. Am Ende der digitalen Bibliothekseinführung gibt es ein Ranking und das beste Team kommt in die „Hall of Fame“. Durch Gamification werden die Schüler angespornt. Die App soll ab Mai 2016 mit den ersten Schulklassen getestet werden. Geplant ist die Ausweitung der hauseigenen App auf Rundgänge.

Margrit Meyer (links) und Julia Rittel (rechts), Foto: bibliotheksnews/tf

Margrit Meyer (links) und Julia Rittel (rechts), Foto: bibliotheksnews/tf

Dipl.-Bibliothekarin Julia Rittel stellte die App BiParcours vor. Diese wird bereits erfolgreich an der Mediothek des Berufskollegs des Rhein-Sieg-Kreises in Bonn-Duisdorf eingesetzt. „Schwellenängste abzubauen“ und den Schülern Bibliotheken als attraktiven Ort näher zu bringen, hofft Rittel durch die App zu erreichen. Ähnlich wie die App aus Zürich ist BiParcours ein Quiz, in dem man gegen andere Teams antritt.  An verschiedenen Stationen werden Fragen beantwortet und für die richtigen Antworten bekommt man Punkte. So werden die Gruppen motiviert und geben sich bis zum Schluss der Quizralley Mühe. Rittel möchte vor allem Schulbibliotheken ermutigen sich als Experimentierfeld zu profilieren, um neue Anreize für Schüler zu schaffen.

Jutta Zimmermann (links) und Alexandra Piper (rechts), Foto: bibliotheksnews/tf

Jutta Zimmermann (links) und Alexandra Piper (rechts), Foto: bibliotheksnews/tf

Die Session wurde durch die Vorstellung der Projekte der Stadtbibliothek Reutlingen abgerundet. Jutta Zimmermann und Alexandra Piper berichten über ihr Motto „Selbstverständlich digital!“ und zeigen durch welche Projekte sie dies verwirklichen. Sie wollen, dass die eBibliothek zu einem festen Begriff wird und erproben immer wieder technische Neuheiten wie die neue App BiBlue. Durch solche Projekte versuchen sie, eine Verknüpfung zwischen digitalen und physischen Medien zu schaffen und zu zeigen, dass ihre Bibliothek weit vorne beim Medienwandel dabei ist.