Buchhandel in der Krise? Die Swets-Insolvenz und ihre Folgen.

Sowohl die Wissenschaftlichen Bibliotheken als auch die Verlage können resümierend feststellen, dass sie die Swets-Insolvenz getroffen hat. Der Grad der Betroffenheit variiert dennoch stark und ist abhängig von der Größe der Verlage und Bibliotheken. Um die Folgen der Insolvenz zu diskutieren, wurden fünf Vertreter aus Bibliotheken, Verlagen und Verlagsdienstleistern eingeladen. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Jochen Johannsen von der Badischen Landesbibliothek.

Von Elena Rückfort

Die Diskussionsteilnehmer Eva E. Wille, Klaus Tapken, Susanne Göttker, Cary Bruce, Jochen Johannsen, Dirk Pieper, Johannes Rux  (von links nach rechts), Foto: bibliotheksnews/er

Die Diskussionsteilnehmer Eva E. Wille, Klaus Tapken, Susanne Göttker, Cary Bruce, Jochen Johannsen, Dirk Pieper, Johannes Rux  (von links nach rechts), Foto: bibliotheksnews/er

Es mussten finanzielle Einbußen auf der Seite der Bibliotheken, der Verlage und der Bibliotheksdienstleister verzeichnet werden. Präventivmaßnahmen waren nicht möglich, da alle Betroffenen erst durch eine E-Mail von der Insolvenz erfuhren. Erstaunlich und schockierend war, dass nicht nur die Externen erst spät informiert wurden, sondern auch die Swets-Mitarbeiter. Dirk Pieper von der Universitätsbibliothek Bielefeld und Susanne Göttker von der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf berichteten, dass der unmittelbare Ablauf nach der Bekanntgabe der Insolvenz im Herbst 2014 fast identisch war. Der Schaden wäre deutlich größer ausgefallen, wenn die Insolvenz später ins Land gezogen wäre. Darüber waren sich beide Bibliotheksvertreter einig.

Um die Auswirkungen der Swets-Insolvenz auf Verlage und Bibliotheksdienstleister wiederspiegeln zu können, waren Cary Bruce von der Firma EBSCO,  Prof. Dr. Johannes Rux vom wissenschaftlichen Nomos Verlag, Dr. Eva E. Wille vom wissenschaftlichen Wiley-VCH Verlag und Klaus Tapken von Missing Link eingeladen. Von allen anwesenden Verlagsvertretern, hatte der Wiley-VCH Verlag den größten finanziellen Schaden. Dieser befand sich im dreistelligen Millionenbereich. Der kleinere wissenschaftliche Nomos Verlag hatte seiner Größe entsprechend auch einen geringeren finanziellen Schaden. Dieser befand sich im vierstelligen Bereich.

Für den Verlagsdienstleister EBSCO ist seit fünf bis sieben Jahren das Business nicht mehr „as usual“ und es sind, unter anderem durch die Swets-Insolvenz, strategische Herausforderungen entstanden. Cary Bruce sagt trotzdem deutlich „Ja, EBSCO hat profitiert“, sowie auch der Großteil der Händler. Schließlich kam es durch die Insolvenz zu einem Kundenzuwachs.

Unter anderem sind die wesentlichen Gründe für die Insolvenz: Aggressiver Preisdruck und der zunehmende Margendruck seitens der Verlage. Die Schlussfolgerung der Verlagsdienstleister ist, dass in neue Produkte und Dienstleistungsbereiche investiert werden muss. Jetzt, ein Dreivierteljahr nach der Swets-Insolvenz, ist das Thema in den Bibliotheken und den Verlagen abgeschlossen.