Die Asylothek – Bibliothek für Asylbewerber

Am Podium der Verbände stellt Günter Reichert die Nürnberger Asylothek vor und gibt  Antwort auf die Frage: Funktioniert Sprachförderung in Bibliotheken?

Von Vivien Drude

Die im Jahr 2012 gegründete Asylothek ist eine Bibliothek in einer Nürnberger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und zugleich die erste ehrenamtlich betriebene Asylbewerberheimbibliothek Deutschlands. Sie wird durch Günter Reichert vertreten und folgt dem Konzept der Wissens- und Wertevermittlung. Umgesetzt wird dies in Bibliotheken durch Bibliothekspatenschaften. Ziele der Asylothek sind sowohl die Förderung der Spracherlernung der Asylbewerber als auch das Schaffen eines Grundangebot an Bildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge.

Die Idee dieser besonderen Bibliothek entstand nach der Gründung eines Asylbewerberheims in Nürnberg. Es fehlte an Bildungseinrichtungen und Sprachkursen, um die Asylsuchenden angemessen zu fördern. Doch wie bringt man Flüchtlinge dazu sich zu bilden? Wie schafft man es, dass sie in eine Bibliothek gehen?

Günter Reichert erläutert das Konzept der Nürnberger Asylothek, Foto:  bibliotheksnews/vd

Günter Reichert erläutert das Konzept der Nürnberger Asylothek, Foto:
bibliotheksnews/vd

„Man muss beim Menschen anfangen und diesen erreichen“, so Günter Reichert. Doch wer kein Deutsch spricht ist schwer zu erreichen und genau hier entsteht ein Konflikt: Es ist kein Bildungsauftrag für Bibliotheken, Sprache zu lehren. Die Asylothek fungiert als Gegenpol. Sie wird von Ehrenamtlichen betreut, es gibt keine Bibliotheksausweise und die Bücher kommen durch Spenden zusammen. Um die Sprache zu lehren, wird nur deutsch gesprochen, auch wenn die meisten Flüchtlinge zu Beginn ihres Aufenthaltes in Deutschlands oftmals kein einziges deutsches Wort kennen. Lediglich die Medien sind teilweise fremdsprachlich, um das Angebot attraktiv zu halten. „Es ist wichtig, kreativ zu sein, denn besonders kleine Kinder lernen schnell“, so Günter Reichert. Als Beispiel führte er an: „Wenn man Kindern Bonbons anbietet, könnte man im Gegenzug sehr gut einen höflichen deutschen Satz mit Bitte und Danke verlangen. Dieser Satz wird in der Asylothek 40 Mal wiederholt und das Kind spricht ihn astrein und wird ihn nie mehr vergessen.“ Alles in allem erzielt die Sprachförderung gute Ergebnisse. Ergänzt wird das Angebot durch diverse Projekte, Kurse und Veranstaltungen.

„Wie sind Sie vorgegangen, Herr Reichert?“, so eine Frage aus dem Publikum. Die Antwort kam prompt: „Learning by doing. Das Projekt entstand spontan aus dem Bedarf heraus und es hat funktioniert.“ Das Konzept zeigt Wirkung: Die Asylothek ist Preisträger, wurde nominiert für den Deutschen Engagementpreis 2014 und bedient Auftritte auf Facebook, einem Blog und Twitter.

Weitere Informationen hierzu unter Nürnberger Asylothek www.asylothek.de