„Social Media ist keine Aufhübschzone für Bibliotheken“

Viele Bibliotheken sehen Social Media immer noch als reines PR- und Marekting-Instrument. Im BIB-Workshop „Voneinander lernen – miteinander lernen: Total vernetzt?!“ auf dem Bibliothekartag in Nürnberg in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse wurden Social-Media-Strategien für Bibliotheken mit führenden Experten erarbeitet.

Von Jennifer Gräler

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Von links nach rechts: Moderator Prof. Tom Becker, Prof. Dr. Steffen Burkhardt , Moderatorin Mailin Choy, Frank Krings und Christoph Deeg, Foto: bibliotheksnews/jg

Es lebe das BarCamp-Format! Nach der Begrüßung von Mailin Choy von der Frankfurter Buchmesse wurden die Workshop-Teilnehmer von Prof. Tom Becker, BIB-Vorstand und Professor für Medienmanagement und Medienvermittlung in Bibliotheken an der FH Köln, direkt in die Gestaltung der Session einbezogen. Im BarCamp-Format musste sich jeder Teilnehmer kurz mit Name und Institution vorstellen und als Anregung für die Diskussion eine kurze Frage vorgeben. Besonders interessierten sie sich für einen sinnvollen Ressourceneinsatz für Social Media in Bibliotheken, das Zusammenspiel der Tools und gesamtheitliche Strategien, die Bandbreite des Social Web jenseits bekannter Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagramm sowie das Erschließen von Nicht-Bibliotheksnutzern durch soziale Medien.

Tom Becker hatte drei Experten in seinen Workshop zur Diskussion dieser vielfältigen Themen eingeladen: Frank Krings, Social-Media-Spezialist der Frankfurter Buchmesse, Prof. Dr. Steffen Burkhardt, Herausgeber von bibliotheksnews und Professor für Medienforschung an der HAW Hamburg, sowie Christoph Deeg, Berater für die Bereiche Social-Media-Management, Gamification und Digitale Strategien.

Christoph Deeg erläuterte, dass auch in Bibliotheken soziale Medien immer mit Kommunikation und sozialem Austausch in Zusammenhang stehen müssen: „Niemand möchte mit einer Institution reden, sondern mit Menschen.“ Social Media muss daher persönlich sein, denn soziale Medien sind menschliche Kommunikation auf einer digitalen Plattform. Dabei gibt es viel mehr Social Media Kanäle, als man im Alltag wahrnimmt. Die wirklich relevanten Kanäle sind laut Steffen Burkhardt Twitter, Facebook, Instagram, Pinterest und Tumblr. Doch welchen der Kanäle nutze ich, welchen Aufwand muss ich betreiben und wie setze ich das Ganze um?

„Verstehen Sie Social Media als Service, nicht als optionales PR-Tool. Dann kann Social Media in Bibliotheken erfolgreich sein“, sagte Deeg. Mit sozialen Medien wolle man am Leben von Menschen oder auch Nutzern teilhaben, nicht umgekehrt. „Social Media muss sich immer ‚Social‘ darstellen“, ergänzte Frank Krings am Beispiel der Frankfurter Buchmesse in den sozialen Medien. Welchen der Kanäle man nutze, hänge davon ab, welche Zielgruppe man erreichen wolle: „Twitter ist eher geeignet für B2B-Kommunikation, also fachliches Wissen. Facebook hingegen kann man hervorragend für B2C-Kommunikation nutzen.“

Eine Institution in die digitale Welt zu integrieren, ist ein Projekt, dessen Kosten-Nutzen-Verhältnis man in der Praxis regelmäßig hinterfragen muss, damit es nicht ausufert. Burkhardt, Deeg und Krings gaben Tipps, die Bibliotheken dabei helfen können, den Aufwand überschaubar zu halten. Dazu zählen das Einführen von Social-Media-Richtlinien und Abstecken von klaren Rahmenbedingungen inklusive personeller und finanzieller Ressourcen. Dabei solle man auch an einen Etat für Fortbildungen denken. Bibliotheken sollten für sich invididuell und experimentell ausloten, welche Kanäle sinnvoll sind und diese sorgfältig pflegen. Dabei müsse die Konversation und das Soziale im Vordergrund des Netzwerkes stehen.

Ein guter Anfang lässt sich mit der internen Nutzung sozialer Medien zum Beispiel in Form eines geschlossenen WordPress-Blogs machen. Besonders wichtig war allen drei Experten, dass Social Media nicht Aufgabe eines Einzelnen sind, die losgelöst von der Bibliothekskultur existiert, sondern das die Konversation in sozialen Medien zum Selbstverständnis der Bibliothek gehören müsse. Dazu müsse das Thema „Chefsache“ sein und von allen unterstützt werden. Nicht alle müssten posten, aber verstehen, warum es für die Bibliothek wichtig sei.

„Social Media ist keine Aufhübschzone für Bibliotheken“, fasste Deeg zusammen. Die Arbeit im sozialen Netz müsse so selbstverständlich für Bibliothekare sein wie das Katalogisieren und Ausleihen von Büchern. „Bibliotheken als Orte, an denen man sich nur Bücher leihen kann, sind vollkommen sinnlos“, sagte er: „Die Menschen sind das, was die Bibliothek ausmacht. Sie ist ein Ort der Kommunikation und das muss sich auch in ihrem Auftritt in den soziale Medien widerspiegeln.“