„Lernraum-Hype“ in Bibliotheken

Die Bibliothek als Lernraum ist ein brennend aktuelles Thema. Manch einer spricht von einem „Lernraum-Hype“: der physische Lernraum steht im Gegensatz zum digitalen. Grund genug sich mit der Frage zu beschäftigen: Wie sollen Lernräume in Bibliotheken in der Zukunft aussehen?

Von Vivien Drude

Innovation in Bibliotheken als Dialog zwischen Hochschule und Praxis sowie neue Formen der Wissensaneignung und Wissensvermittlung – in diesem Zusammenhang stellten fünf Referentinnen- und Referenten neue Raum- und Nutzungskonzepte vor und trafen damit den Nerv des Publikums.

Foto: bibliotheksnews/vd

Vortragende bei „Lernraum Bibliothek“ (von links) Laura Held, Annette Kustos, Friedericke Hoebel, Michael Mönnich, Olaf Eigenbrodt, Dr. Kerstin Helmkamp, Foto: bibliotheksnews/vd

Michael Mönnich und Friedericke Hoebel berichteten über Lernraum-Entwicklung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) . Hier schaffen Kick-Off- Workshops Innovationen zur Entwicklung idealer Lernraum-Konzepte. Im Mittelpunkt der Umsetzung steht „Leben zu unterstützen“ ganz nach der Devise, dass die Zukunft elektronisch sein wird. Um auf der richtigen Spur zu bleiben, helfen Nutzerumfragen: Wie verhalten sich unsere Nutzer und wie lernen sie? Ein zielgruppenorientierter und bedarfsgerechter Ausbau ist das Ziel, ebenso wie die Entwicklung von Buchungssystemen für die neu geschaffenen Lernräume.

Annette Kustos von der Hochschule für Gesundheit erläuterte das Konzept der Neugründung der HSG Bochum für einen Bibliotheksraum unter dem Motto „Aufeinander bezogen“. Zugängliche Lernräume, Schulungsräume, Ruhezonen, Gruppenräume in Kombination mit beweglichem Mobiliar, Mobile Devices und WLAN wurden bereits in die Tat umgesetzt. „Wir probieren das jetzt aus!“, so das Motto für die Neukonzeption.

Dass Lernräume nicht nur physisch innerhalb einer Bibliothek zu finden sind, sondern ein Lernraum auch digital vorhanden sein kann, zeigt die Bibliothek der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland. Unter dem galaktischen Titel „Wikimedia meets outer space“ erläutert Laura Held wie sich Lernraum im digitalen Bereich bewegen kann und welchen Nutzen Daten in digitaler Form haben. Denn auch das ist ein Teil bibliothekarischer Tätigkeit, sich mit der Frage zu befassen, welche Kompetenzen wir als Bibliothekare vermitteln wollen. Know-How-Vermittlung durch Blogging, Facebook-Posts und Schreibwerkstätten sowie Kooperationen zwischen Bibliotheken und Hochschulen sind möglich und nötig um dem Nutzerbedarf gerecht zu werden. Die Lessons Learned des digitalen Wagnisses? Ein Gewinn für beide Seiten – die Nutzer und die Bibliothek.

Als Letzte in der Runde referierte Dr. Kerstin Helmkamp über die Lernlandschaften an der Universität Göttingen und schaffte damit Gesprächsbedarf bei den Anwesenden: Mit dem Konzept der neuen Lern- und Studiengebäude (LSG) wird deutlich, dass sich die Bibliothek als Arbeits- und Lernort im digitalen Wandel befindet. Diverse Lernmaterialien und neue technische und elektronische Ressourcen prägen das LSG, ebenso wie die Nutzung eines Buchungssystemsoftware von Intrakey zur optimalen Nutzung und Buchung der Arbeitsräume.

Im Anschluss an die Vorträge herrschte reger Gesprächsbedarf. Eine Frage aus dem Publikum lautete: „Wird es angenommen?“ Diese Frage konnte Dr. Helmkamp mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten. Umfragen zeigen, dass die Nutzer Lernäume wollen. Sicherlich schaffen Bibliotheken durch das Auflösen der Grenzen zwischen digitalem und physischem Bestehen einen Mehrwert, doch „identifizieren Nutzer einen solchen Lernraum noch als Bibliothek?“, so eine andere Frage aus dem Publikum. Dies ist nur ein Thema, das für weitaus mehr Gesprächsbedarf sorgte und das in den nächsten Jahren sicherlich noch Grundlage für weitere Diskussionen sein wird. Lernraumkonzepte befinden sich in der Entwicklung, so das Fazit der Veranstaltung.

Weitere Informationen:
Das Karlsruher Institut für Technologie auf Twitter: @KITKarlsruhe
Die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen auf Twitter: @subugoe