Das Ende von PDA? – Podiumsdiskussion von b.i.t.online

Auf dem b.i.t.sofa wurde ketzerisch nach dem Ende von PDA gefragt. Für die einen ist Patron Driven Aquisition modernes Teufelszeug, für die anderen ist es das Gleiche wie früher die Ansichtsexemplare. Nicole Gageur hat die Diskussion für bibliotheksnews verfolgt.

Georg Siebeck, Sven Fund, Rafael Ball, Susanne Göttker, Klaus Kempf und Lisa Maria Geisler (von links nach rechts) diskutieren das Thema PDA, Foto: bibliotheksnews/ng

Georg Siebeck, Sven Fund, Rafael Ball, Susanne Göttker, Klaus Kempf und Lisa Maria Geisler (von links nach rechts) diskutieren die Zukunft von PDA, Foto: bibliotheksnews/ng

Hinter PDA verbirgt sich, dass die Bibliotheksnutzer entscheiden, was angeschafft wird, erklärt Lisa Maria Geisler. Sie hat als Studentin der HAW Hamburg über PDA eine Bachelor-Arbeit geschrieben, die mit dem Innovationspreis von b.i.t.online ausgezeichnet wurde. Susanne Göttker, Dezernentin für Medienbearbeitung der Universitätsbibliothek Düsseldorf, und Klaus Kempf, Leitung Bestandsaufbau und Erschließung der Bayerische Staatsbibliothek München, können sich PDA oder äquivalente Modelle durchaus als einen von vielen Beschaffungswegen vorstellen. Sich ganz auf PDA verlassen und die Fachreferenten abschaffen wollen sie jedoch nicht.

Bei Göttker in der Bibliothek können die Fachreferenten immer noch entscheiden, ob sie den Kundenwünschen entsprechen oder nicht, eine Arbeitsentlastung für die Fachreferenten sei dies jedoch nicht. Im Gegensatz zu Düsseldorf liefe PDA in Leipzig und Dresden unkontrolliert ab. Dort sind die Bücher gefiltert nach Verlagen und Preis, nach drei Ausleihwünschen wird das Buch automatisch gekauft. Für das Produkt Short Term Loan kurz STL, das de Gruyter anbietet, musste der Verlag seine Preise um 40 Prozent erhöhen. Dr. Sven Fund, Geschäftsführer des Verlags de Gruyter, stellt dazu fest, dass die Bibliotheken, die Bücher lieber ausgeliehen hätten, anstatt sie zu kaufen. Darauf konterte Göttker trocken, dass die E-Books auch den vielfachen Preis von Printexemplaren haben und man sie nicht so ohne weiteres kaufe.

Dr. h.c. Georg Siebeck, Geschäftsführer Mohr und Siebeck Verlag, zeigt Verständnis für die Bibliotheken, die nur die Hauptwerke einer Reihe kauften und den Rest ihren Nutzern über PDA zur Verfügung stellen. Hauptsache sein Verlag verkauft Bücher auf welchen Vertriebsweg auf immer. Kempf führt aus, dass PDA zwar Kundenbedürfnisse berücksichtige, nicht aber einen sparsamen Einkauf, der am besten arbeitsteilig erfolge. Das senkt die Kosten für die Bibliotheken und sie können viel mehr anbieten. In diesem Fall sei die Deutsche Forschungsgemeinschaft der „Totengräber“ des sparsamen Einkaufs, da sie die Sondersammelgebiete aufgelöst hat.

Mit der Frage: „Wo sich die Verlage und Bibliotheken in zehn Jahren sehen?“ schließt Moderator Dr. Rafael Ball, Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg und Chefredakteur von b.i.t.online, die Podiumsdiskussion. Wegen der „rasanten und dramatischen Entwicklungen in der Informationswelt“ wagt Kempf keine Prognose über fünf Jahre hinaus. Allerdings sieht er die Bibliotheken als „Informationsfilter“ immer wichtiger werden. Geisler schlägt vor, dass die Bibliotheken, die sowieso Informationskompetenzveranstaltungen anbieten, ihre KundInnen im Umgang mit PDA schulen.