Leseförderung und Wirkungsforschung

Prof. Dr. Ute Krauß-Leichert, Leiterin des Departments Information der HAW Hamburg, und Jana Paul, Leiterin der Bücherhalle Farmsen, berichteten auf dem 103. Deutschen Bibliothekartag über ihr gemeinsames Langzeitforschungsprojekt „Leseförderung und Wirkungsforschung (LeWi) – Zukunftsfähigkeit Öffentlicher Bibliotheken.“ Jannika Grimm hat für bibliotheksnews Jana Paul interviewt.

Jana Paul von den Bücherhallen Hamburg, Foto: bibliotheksnews/jg

Jana Paul von den Bücherhallen Hamburg, Foto: bibliotheksnews/jg

bibliotheksnews: Welche Intention steckt hinter dem Kooperationsprojekt LeWi zwischen der HAW Hamburg und der Stadtbibliothek Bielefeld?
Jana Paul: Die Intention hinter LeWi ist, die Wirkungen, die tagtägliche Leseförderungsaktionen in Öffentlichen Bibliotheken mit sich bringen, zu erforschen. Lesen Kinder dadurch mehr Bücher? Können sie dadurch besser lesen? Gehen sie häufiger in die Bibliothek? Das war die Ausgangslage für dieses vierjährige Projekt.

bibliotheksnews: Zu welchen Ergebnissen sind Sie nach der Beendigung des Projektes gekommen?
Paul: Die Ergebnisse sind sehr ermutigend. Die regelmäßigen Leseaktionen haben einen positiven Einfluß auf die Leseleistung, Lesegewohnheit und die Lesemotivation. Beispielsweise ist das Lesen zur drittliebsten Freizeitbeschäftigung geworden, was in anderen Befragungen nie so hoch gerankt wird (beispielsweise in der KIM-Studie: Kinder + Medien, Computer + Internet). Auch kommen die Kinder häufiger alleine in die Bibliothek. 85 Prozent der Kinder besuchen ihre Bibliothek auch ohne die Klasse oder die Leseförderungsaktion, das heißt die Bibliothek ist zu einem festen Bestandteil im Denken der Kinder geworden.

bibliotheksnews: Warum ist Evaluation in der Leseförderung ein unverzichtbares Thema?
Paul: Da es bislang nur wenige Ergebnisse zu diesem Thema gab, müssen sich Bibliotheken für ihre Leseförderungsaktionen immer rechtfertigen. Wenn nun aber bestätigt wird, dass die Lesefähigkeit und Lesemotivation gesteigert wird, und die Kinder weiterhin Bibliotheken nutzen, bietet das eine große Diskussionsfläche, aber auch die Bekräftigung, dass Veranstaltungen wie diese unverzichtbar sind. Schließlich ist es auch die Aufgabe einer Bibliothek dafür zu sorgen, dass Kinder nicht nur Wort für Wort und Buchstabe für Buchstabe lesen, sondern dass sie sinnerfassend lesen und somit am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Und wenn LeWi diese Punkte bestätigen kann, ist es ein großer Schritt in die richtige Richtung.

bibliotheksnews: Was nehmen Sie für Ihre Arbeit als Bibliothekarin mit?
Paul: Sehr viel Inspiration zu Projekten und Veranstaltungen, die andere Bibliothekare durchführen. Zum Beispiel Ideen zum Basteln, ein Kristallprojekt, aber auch Kindern die Zeit zu geben, einfach mal ein Buch zu lesen, da dies im Schulalltag häufig nicht mehr möglich ist. Für mich sind es schöne Impulse, die ich in meine Arbeit einfließen lassen kann. Des Weiteren nehme ich die positiven Ergebnisse mit. Die Studie hat eindeutig gezeigt, dass Kinder lieber lesen, gerne die Bibliothek besuchen und vor allem hat sich ihre Lesekompetenz im Gegensatz zu Kindern in ihrem Alter verbessert.

Jana Paul hat Informationswissenschaft und -management an der HAW Hamburg studiert. In dieser Zeit war sie studentische Mitarbeiterin von Prof. Dr. Ute Krauß-Leichert und hat in dem Forschungsprojekt mitgearbeitet. Seit 2013 ist sie Leiterin der Bücherhalle Farmsen.