Lebensraum Bibliothek

Auf dem Bibliothekartag in Bremen stellte die Vortragsreihe „Baukonzepte der Zukunft“ Innovationen für Bibliotheksneubauten vor – vom DIN-Fachbericht 13 über die Einbeziehung der Nutzer bis zur ökologischen Nachhaltigkeit.

Von Theresa Lenz

In ihrem Vortrag „Vom DIN-Fachbericht 13 zur DIN 67700: Grundlagen der Bau- und Nutzungsplanung für Bibliotheken und Archiven“ stellten Olaf Eigenbrodt, Fachaufsicht der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, und Roman Rabe, Bibliothekarischer Fachdirektor Städtische Bibliotheken Dresden, die Kernthesen des Reports vor. Durch eine Rückübersetzung aus dem Englischen in Zusammenarbeit mit angloamerikanischen Kollegen, sollten Schwierigkeiten und Unklarheiten in dem Bericht erkannt und gelöst werden.

Eine Bestandsverdichtung, unter anderem durch den Verzicht veralteter Medienformate wie VHS-Kassetten, soll mehr Platz für die Nutzer geschaffen werden. Wie viel Platz eine Bibliothek benötigt, soll im Verhältnis zu der Zahl potentiellen Nutzern stehen. Wie die Details der DIN 67700 in ihrer Endfassung aussehen werden, erfahren wir 2016 bei ihrer Veröffentlichung.

„Wir bauen die Ruinen von morgen“, ist die Kernthese von Timo Glaser von der Universitätsbibliothek Marburg in seinem Vortrag „Megabibliotheken und Mikroservices“. Nutzer würden Google und Amazon gegenüber den Bibliothekskatalogen und dem Fachpersonal bevorzugen. „Print bleibt relevant, aber für wen?“, fragt Timo Glaser in die Runde. Die Bibliothek würde als Raum wegen ihrer stimulierenden Lernatmosphäre genutzt werden, aber die Besucher bringen ihre eigenen Materialien bis hin zu Büchern mit, um damit aktiv zu arbeiten und sich auch Notizen und Markierungen machen zu können. Um die Bedürfnisse der Nutzer zu verstehen, sollten die Bibliothekare direkt in den Einrichtungen, bei den Nutzern arbeiten, so seine Empfehlung.

Genau das versucht die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) bei der Planung ihres Bibliotheksneubaus. Unter dem Titel „ZLB @ THF – Formate zur Beteiligung von Mitarbeitern und Bürgern im ZLB-Neubauprojekt“ stellten die Mitarbeiterinnen Enna Schmidt und Nina Frank einige Projekte der Partizipation von Nutzern, Nicht-Nutzern und Mitarbeitern vor. Unter dem Namen „Meine ideale Bibliothek“ wurden von Oktober 2013 bis Januar 2014 Workshops in vier Neukölner Schulen durchgeführt. Schüler von acht bis 16 Jahren haben gemeinsam mit freischaffenden Künstlern und Architekten ihre Wünsche und Ideen kreativ unter anderem in Filmen, Modellen und Bildern dargestellt. Während die jüngeren Kinder vor allem von Eis und Kino träumten, wünschten sich alle Altersgruppen eigene Räume um sich zu treffen, zu lernen und auch um ihrer Freizeit wie Musik zu machen nachzugehen. Ein Neubau im Jahr 2021 ist seit dem Volksentscheid vom 25. Mai 2014 auf dem Tempelhofer Feld nicht mehr möglich. Aber die gewonnen Daten und der Blog der ZLB zum Neubauprojekt sollen weiter genutzt werden. Zusätzlich haben die Mitarbeiter der ZLB die Möglichkeit zehn Prozent ihrer Arbeitszeit zu nutzen, um sich in Themenfelder zu vertiefen und als Themenscouts für die Kollegen und Nutzer aufzutreten.

Einem in Deutschland noch recht neuen Thema widmeten sich Petra Hauke, Lehrbeauftragte der Humboldt-Universität zu Berlin, und Klaus Werner, Mitarbeiter der Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin, in ihrem Vortrag „Farbe bekennen: Grüne Bibliotheken auf die Tagesordnung!“ Bibliotheken haben eine Vorbildfunktion und das wird in Deutschland in vielen Bereichen wie zum Beispiel der Leseförderung durch Zertifikate gewürdigt und vermarktet. Ein vergleichbares Modell der Qualitätsbewertung gibt es für ökologische und nachhaltige Bibliotheken in Deutschland nicht. Was eine Bibliothek zu einer Grünen Bibliothek qualifiziert, hat Klaus Werner in „Green Library: Checklists“ veröffentlicht und mittlerweile wurde dieser Bericht in mehrere Sprachen als Referenzbeitrag übersetzt. Die Referenten fordern vom Deutschen Bibliotheksverband e.V. und den Bibliothekaren sich für dieses Thema stark zu machen, denn, so Frauke Hauke: „Ein grünes Image ist ein gutes Image.“