Informationsvermittlung im Web 2.0

Das veränderte Rechercheverhalten der Nutzer stellt Bibliotheken vor neue Herausforderungen. Im Forschungsprojekt EEXCESS wurde eine Lösung entwickelt, die Nutzer bei der Internetrecherche auf Inhalte in Bibliotheksdatenbanken aufmerksam macht. Maren Lehmann von der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) erläutert für bibliotheksnews wie das gelingt.

Von Maren Lehmann

 Maren Lehmann, Projektmitarbeiterin (Dissemination) der ZBW Kiel, Foto: bibliotheksnews/jb

Maren Lehmann, Projektmitarbeiterin (Dissemination) der ZBW Kiel, Foto: bibliotheksnews/jb

Eine Literaturrecherche wird heute nicht mehr in einem Bibliothekskatalog gestartet, und sei er noch so nutzerfreundlich und ansprechend gestaltet, sondern über Google. Diese scheinbar  für Bibliotheken negative Entwicklung birgt aber auch Chancen. Die „Long Tail“-Theorie besagt, dass Nischenthemen und –produkte (der „long tail“ des Internet) eben über Google  für den Einzelnen potentiell viel leichter auffindbar sind als früher. Die Bedeutung dieser Inhalte habe daher insgesamt zugenommen. Die Praxis ist aber komplizierter, denn zum einen ist es schwierig, eine explizite Suche nach einem Spezialthema zu formulieren, zum anderen gilt das „rich get richer“ – Phänomen: Die Inhalte, die am häufigsten abgerufen werden, werden auch an prominentester Stelle angezeigt, so dass sich dieser Effekt laufend verstärkt.

Das EU-Projekt EEXCESS setzt genau hier an: Nicht der Nutzer muss zum Inhalt gebracht werden, der Inhalt kommt zum Nutzer. Möglich wird dies durch einen Empfehlungs-Assistenten, der in den Browser integriert werden kann. Er analysiert die persönlichen Daten und das Suchverhalten des Nutzers und zeigt daraufhin persönliche Empfehlungen aus kulturellen und wissenschaftlichen Datenbanken an.

Der Nutzer muss also keine explizite Suche mehr formulieren und die Empfehlungen werden in den laufenden Arbeitsprozess integriert (Online-Recherche, Verfassen eines Blogartikels…). Einen ersten Prototyp können wir bereits präsentieren. Wir sind nun auf der Suche nach Partnern unter den Bibliotheken, die zum einen daran interessiert sind, EEXCESS in die Suche in ihrem Online-Katalog einzubinden und zum anderen daran, Inhalte über EEXCESS bereit zu stellen.