Informationspraxis: Open-Access-Zeitschrift von und für die Fachcommunity

Das Thema Open Access beschäftigt die Bibliotheks- und Informationscommunity. Auf dem 103. Bibliothekartag in Bremen gründeten sich der Verein und die gleichnamige Open-Access-Zeitschrift Informationspraxis, um Wissen für die Community aus Bibliothek, Archiv und Information zu publizieren. Sarah Ann Danker hat Mitbegründer Lambert Heller dazu interviewt.

Bildunterschrift: Lambert Heller, Mitbegründer der Open Access-Zeitschrift Informationspraxis bibliotheksnews/sd

Lambert Heller, Mitbegründer der Open-Access-Zeitschrift Informationspraxis, Foto: bibliotheksnews/sd

bibliotheksnews: Warum braucht die deutsche Bibliotheks-Community ein neues Open-Access-Journal?

Lambert Heller: Die Kommunikation in der Bibliotheksbranche kommt mir ein bisschen gespalten vor. Da gibt es zum einen die, die Blogs für sich entdeckt haben und die online schnell und vielfältig kommunizieren, und auf der anderen Seite viele Kolleginnen und Kollegen, die einfach nur regelmäßig einen Überblick in Form von Zeitschriften haben wollen. Das kann ich bestens verstehen. Ich glaube, dass ein sehr stark online-basiertes Journal fehlt, bei dem man auf jeden einzelnen Artikel einfach zugreifen kann, sich andererseits aber wie eine Zeitschrift lesen lässt. Wir haben viele Fachzeitschriften und einiges ist online, aber es ist erst wenig im Sinne von Open Access frei zugänglich.

bibliotheksnews: Wer sind die Gründer von Informationspraxis und welche thematischen Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Heller: Die Gründer sind Rudolf Mumenthaler, Gabriele Fahrenkrog, Dörte Böhner, Christian Hauschke und ich. Wir sind ein relativ buntes Team aus ganz unterschiedlichen Einrichtungen. Wir haben mittlerweile ein Netzwerk von 26 Personen, die in ihren eigenen Themenfeldern Artikel einwerben und Artikelprojekte betreuen wollen. Hier kann man jetzt schon sagen, obwohl die Liste noch nicht veröffentlich ist, dass sie ein ganz breites Themenspektrum abdecken. Neben IT-Themen, die bei so einer Art Online-Journal vielleicht als erstes erwartet werden, kommen Themen wie Urheberrecht und Bibliotheksbau sowie typische Themen aus der öffentlichen Bibliothek vor.

bibliotheksnews: Wie sind Sie organisiert?

Heller: Wir versuchen dieses Journal selbstständig als Community-Projekt auf die Beine zu stellen. Es gibt nicht eine einzelne Hochschule, Bibliothek oder einen Berufsverband, der oder die dahintersteht. Es ist ein locker geknüpftes Netzwerk aus einzelnen Kolleginnen und Kollegen. Wir laden herzlich jeden ein, daran mitzuarbeiten – sei es als Autor, Reviewer oder Mitglied der Redaktion. Unter informationspraxis.de kann man sich schnell einen Überblick verschaffen und mit uns Kontakt aufnehmen.

bibliotheksnews: Wie können Interessierte sich bei Ihnen engagieren?

Heller: Am liebsten sofort und viel. (lacht)

bibliotheksnews: Der Verein Deutscher Bibliothekare (VDB) hat heute angekündigt, ebenfalls ein Open-Access-Journal im Herbst herauszubringen. Ist Informationspraxis eine Gegenreaktion auf das Journal „o-bib“ des VDB?

Heller: Nein, das ist keine Gegenreaktion. Das kann man schon daran ablesen, dass die öffentliche Ankündigung des VDB, ein Journal zu machen, ein oder zwei Tage nach unserer Ankündigung zu Informationspraxis kam. Also aus rein zeitlogischen Gründen kann das keine dagegen gerichtete Aktion sein. Ich denke es ist viel Raum für Open Access-Foren und Kommunikationswege. Ich möchte nur daran erinnern, dass es mit Libreas bereits seit Jahren eine unheimlich interessante und gut gemachte Open Access-Zeitschrift gibt.

Lambert Heller bloggt auf http://biblionik.de und mit dem Twitter-Namen @Lambo.