„Viele Bibliotheken haben einen Großteil ihrer Hausaufgaben noch nicht gemacht“

Einen Einblick in bibliothekarische Innovationskulturen gibt die Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung auf dem Bibliothekartag in Bremen. Christoph Deeg ist Mitbegründer und Berater für die Bereiche Social-Media-Management, Gamification und digitale Strategien. Mats Mumme hat ihn für bibliotheksnews im Rahmen der offiziellen Eröffnung der Zukunftswerkstatt interviewt.

bibliotheksnews: Was sind für Sie innovative Themen auf dem Bibliothekartag 2014?

Christoph Deeg: Zunächst einmal alles, was mit der Zukunftswerkstatt zu tun hat. Hier nicht nur das Thema Gaming, sondern auch 3D-Drucker sowie die neuen Technologien und deren Nutzungsmöglichkeiten. Bibliotheken sollten nicht einfach Technologien besitzen, sondern sie sollen auch deren Funktionen ausprobieren und diese zu einem Teil ihrer Bibliothekskultur werden lassen. Darüber hinaus bin ich aber der Meinung, dass Bibliotheken in der nächsten Zeit innovativer werden, und ich bin gespannt, wie sich dies entwickeln wird.

bibliotheksnews: Wie sehen Sie die innovative Entwicklung in den nächsten Jahren in Bibliotheken?

Christoph Deeg: Viele Bibliotheken haben einen Großteil ihrer Hausaufgaben noch nicht gemacht. Vielen Mitarbeitern fehlt es an IT-Basiswissen: Wie installiere ich ein Add-On bei Firefox? Oder wie funktioniert eine App? Weiterhin muss sich die Organisationsstruktur in dem Sinne ändern, dass Menschen in Bibliotheken dafür bezahlt werden, was sie tun und nicht dafür, welchen Abschluss sie haben. Außerdem werden zukünftig vor allem in Öffentlichen Bibliotheken aber auch in wissenschaftlichen Bibliotheken 20 bis 30 Prozent der Mitarbeiter keinen bibliothekarischen Hintergrund mehr nötig haben. Sonst wird es für Bibliotheken schwierig, Angebote zu entwickeln, die noch irgendeine Zukunftsrelevanz besitzen.

Christoph Deeg auf dem Bibliothekartag in Bremen, Foto: MM/bibliotheksnews

Christoph Deeg auf dem Bibliothekartag in Bremen, Foto: MM/bibliotheksnews