Mögliches Ende des Fachportals b2i

Die ungewisse Zukunft des Fachportals Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaften (b2i) ist ein wichtiges Insider-Thema des 103. Deutschen Bibliothekartags 2014, der heute in Bremen eröffnet wird.  Dr. Rolf Griebel ist als Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek für den Auf- und Ausbau des Wissenschaftsportals verantwortlich. Für bibliotheksnews erläutert er exklusiv die Hintergründe der problematischen Entwicklung.

Von Rolf Griebel

Rolf Griebel, Direktor Bayerische Staatsbibliothek, Foto: Griebel

Dr. Rolf Griebel (*15. September 1949 in Ansbach) ist seit 2004 Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek in München, Foto: Griebel

Die Bayerische Staatsbibliothek hat das Sondersammelgebiet „Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaften“ 2008 von der SUB Göttingen im Rahmen der Neuvergabe im Wege einer Ausschreibung durch die DFG zusammen mit dem dazugehörigen Fachportal b2i übernommen. Das Sondersammelgebiet wurde in kurzer Zeit in die Erwerbungs-, Erschließungs- und Bereitstellungsabläufe der Bayerischen Staatsbibliothek integriert und war dank der inhaltlichen und organisatorischen Vorbedingungen an der Bibliothek von Beginn an voll leistungsfähig. Das Portal b2i wurde auf Basis aktueller Technik völlig neu aufgebaut und konnte 2009 das vorherige von der SUB Göttingen gestaltete Portal ablösen.

Im Zuge der Überführung der Sondersammelgebiete in Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID) hat die Bayerische Staatsbibliothek 2013 einen FID-Antrag gestellt, der jedoch – wie die Mehrheit der FID-Anträge – abgelehnt wurde. Dies hat entsprechende Auswirkungen auf die Abdeckung des Spitzenbedarfs der Wissenschaft und gefährdet zudem massiv die Virtuelle Fachbibliothek b2i. In zahlreichen Stellungnahmen aus der Community ist die Entscheidung der DFG – teils heftig – kritisiert worden.

Was den Bestandsaufbau betrifft, muss sich die Bayerische Staatsbibliothek künftig auf das Erwerbungsprofil von 2007 beschränken, also der Zeit vor der Übernahme des Sondersammelgebiets. Damit bleibt die Bayerische Staatsbibliothek in diesen Fachgebieten zwar nach wie vor eine der zentralen Einrichtungen für die überregionale Literaturversorgung, sie wird allerdings die hochspezialisierte Nachfrage nicht mehr auf dem Level einer Sondersammelgebietsbibliothek abdecken können.

Auf dem Prüfstand steht auch der Weiterbetrieb der Virtuellen Fachbibliothek b2i. Die Bayerische Staatsbibliothek prüft angesichts der sehr hohen Eigenleistungsaufwände, ob und falls ja, inwieweit – d.h. mit welchen Einschränkungen – der Weiterbetrieb des Portals aufrechterhalten werden kann. Eine Entscheidung soll spätestens bis zum Herbst 2014 fallen.

Bei diesem Entscheidungsprozess sucht die Bayerische Staatsbibliothek gezielt den Austausch mit der Fachcommunity; sie wird dazu am Rande des 103. Bibliothekartags in Bremen Gespräche mit Vertretern bibliothekarischer Verbände sowie informationswissenschaftlicher Einrichtungen führen.

 

Die Fachverbände Bibliothek & Information Deutschland (BID) und  Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge (KIBA) plädieren  für den Erhalt und die Weiterentwicklung der virtuellen Fachbibliothek. In Stellungnahmen an die Bayerische Staatsbibliothek loben sie die herausragende Bedeutung von b2i für Forschung, Lehre und Studium. Sinnvolle Entwicklungsmöglichkeiten sehen BID und KIBA unter anderem in der Ergänzung der Nachweise um englischsprachige Fachquellen, der Schaffung von Themenfenstern, die einen Zugang zu aktuellen Fachthemen eröffnen, sowie in der Einbindung von elektronischen Volltexten und Current-Content-Diensten. Ziel dabei sei es, dass b2i im Entwicklungsprozess vom Literaturarchiv zum Informationsdienstleister eine Vorbildfunktion einnehme. Auf Inititiative von BID und KIBA treffen sich die Bayerische Staatsbibliothek mit den relevanten Fachvertretern auf dem 103. Bibliothekartag, um Perspektiven und Kooperationschancen von b2i zu erörtern. (ng)