Digital und real: Bibliotheken als Lernorte

Seit Jahren boomt die Diskussion zum Bibliotheksthema digitale und reale Lernorte auf Grund der explodierenden Studierendenzahlen und der intensivierten Benutzerforschung. Eine Vortragsreihe auf dem Bibliothekartag in Bremen stellt unterschiedliche Raum- und Nutzungskonzepte aus wissenschaftlichen Bibliotheken vor.

Von Henrike Hapke und Theresa Lenz

Die Bibliothek der FH Bielefeld stellt sich dieser Aufgabe unter Leitung von Dr. Karin Ilg und dem Architekturbüro Zauberschon. Unter dem Titel „Stripes & Silhouettes: Zentrale Lernflächen im Campusneubau der FH Bielefeld“ sollen in einem Neubau der Fachhochschule eine neue Hochschulbibliothek und ein Lernzentrum geschaffen werden. Der Architekt Andreas Schüring hat in das Projekt den Ausblick in die Natur als bewusste Stimulans des Lernens genauso integriert wie Mitnahmemöblierung in knalligem Blauton. Die Studierenden sollen sich durch große Sichtachsen in der Bibliothek sozial verhalten, um die Qualität des Bibliotheksneubaus langfristig zu schützen. Dieses Konzept hat sich im Leonardo Campus der Fachhochschule Münster bereits bewährt.

Professor Richard Stang, Studiendekan Bibliotheks- und Informationsmanagement der Hochschule der Medien Stuttgart, fragte sich in seinem Vortrag „Formierung von Wissensräumen? Lernraumgestaltung für Bibliotheken“, ob Lernen wirklich Leiden bedeuten muss. Er zeigte, dass internationale Konzepte auch für Erwachsene „Spielecken“ mit Kickertischen und Konsolenspielen integrieren können. Gemeinsam mit der Möbelmanufaktur VS (Vereinigte Spezialmöbelfabriken) arbeitet er an innovativer, flexibler Einrichtung für Bibliotheken. Stang ist für eine offene Lernraumgestaltung in Bibliotheken, da diese eine lebendige und kommunikative Atmosphäre fördern.

Einem ganz anderen Problem widmen sich die Bibliotheken des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Wie man Studierende zu freien Lernräumen leiten kann, zeigt Diana M. Tangen. Nachdem sich technische Ideen wie Licht- und Laserschranken, Video- und Wärmebildkameras oder Stuhlsensoren als zu kostspielig und fraglich bezüglich des Datenschutzes gezeigt haben, entschied man sich für andere Lösungen. Als Leitsystem soll eine lernfähige Software dienen, die ermittelt, wie viele Studierende über das W-LAN, LAN oder den festen Arbeitsplätzen in das Bibliotheksnetzwerk eingeloggt sind. Wie ein Parkleitsystem finden die Studierenden hiermit einen freien Arbeitsplatz. In kleineren Bibliotheksstandorten wird weiterhin manuell alle fünfzehn Minuten die Anzahl Lernender durchgezählt und eingetragen.

Die Universitätsbibliothek Mannheim dagegen setzt den Fokus auf Gruppenarbeitsplätze, wobei hier die Bibliothek als ein „sozialer Ort zum Leben und Lernen dienen soll, so Katharina Rautenberg und Dr. Annette Klein. Es wurden offene Arbeitstische für Kleingruppen geschaffen sowie ein Entspannungsbereich für die Pause zwischen den Lernphasen. Vor allem soll die Bibliothek eine Anlaufstelle für Studierende sein, die mit Fragen rund um das Studium und die Recherche jederzeit das Bibliothekspersonal ansprechen können. Das Raumkonzept ist vor allem multifunktional (zum Beispiel mobile Arbeitstische) und kann je nach Bedarf verwendet werden.

Was die Universitätsbibliothek Mannheim bereits realisiert hat, ist in der Universitätsbibliothek Rostock noch im Aufbau. Das Projekt „Lernraum Bibliothek“ ist in vollen Zügen. In die Planung werden sowohl Studierende als auch Mitarbeiter einbezogen. Dies geschieht in Form von Umfragen sowie Design-Workshops, wo Ideen für das Umbaukonzept und die Innenarchitektur der Bibliothek gesammelt werden.

Auch die Bibliothek der Universität Konstanz hat Spannendes im Bereich Lernort zu berichten. Zurzeit wird hier ein Großteil der Bibliotheksfläche saniert. Es soll ein Ort für Medien geschaffen werden. Dieser Ort soll dem Lernen, dem Arbeiten sund der Begegnung dienen, so Petra Hätscher, Leiterin der Bibliothek. Durch die Makulierung von Teilbeständen konnte neuer Lernraum geschaffen werden, dies kommt vor allem den Studierenden zu gute.