Bibliotheksräume aktuell. Neue Bibliotheksbauten im Gespräch

Die Podiumsdiskussion „Bibliotheksräume aktuell“ zeigte Einblicke in die Gestaltungskonzepte und Planungs-und Bauweisen von Bibliotheksbauten in Deutschland. Dabei wurde auch der Blick auf Amerika gerichtet und ein Vergleich zwischen den beiden Ländern gezogen.

Von Elisabeth Müller

Durch die Veranstaltung führte am Mittwochnachmittag Susanne Kandler als Leiterin der Baukommission vom Deutschen Bibliotheksverband e.V. und dem Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Die besprochenen Projekte stellten Silke Berndsen, Leiterin der Zweigbibliothek Steintor-Campus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Dr. Martin Nissen von der Universitätsbibliothek Heidelberg, Michael Frank, freier Architekt vom Büro Ernst², sowie Sharon L. Bostick, Dekanin des Illinois Institute of Technology, vor. Olaf Eigenbrodt von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und Mitglied der Baukommision übersetzte für Bostick und moderierte im Anschluss die Diskussionsrunde mit.

Die Vortragenden und Leiter der Diskussionsrunde (v.l.) Dr. Martin Nissen, Silke Berndsen, Olaf Eigenbrodt, Sharon L. Bostick, Michael Frank, Susanne Kandler. Foto: bibliotheksnews/em

Die Vortragenden und Leiter der Diskussionsrunde (v. l.): Dr. Martin Nissen, Silke Berndsen, Olaf Eigenbrodt, Sharon L. Bostick, Michael Frank, Susanne Kandler. Foto: bibliotheksnews/em

Den Anfang machte Silke Berndsen mit dem Neubau der Zweigbibliothek für Geistes- und Sozialwissenschaften in Halle. Eine große Herausforderung für die Bibliothek stellte neben der Zusammenlegung der 18 Fachbereiche das „Bauen unter extremen Sparzwang“ dar. In mehreren Kürzungsrunden in der Planungsphase wurde der Bibliothek beispielsweise eine ganze Etage gestrichen, so Berndsen, die den Aufbau, die Ausstattung und die Kriterien zur Belegung von Nutzungsflächen ihrer Bibliothek vorstellte. Zu letzteren zählten die Studierendenanzahl, der Bedarf an Zuwachs und die Zusammenhänge der einzelnen Fachgebiete.

Der Triplex der Universität Heidelberg wurde innerhalb von sieben Jahren umgebaut, wie Dr. Martin Nissen referierte. Die Bauphase gilt als abgeschlossen. Auf über 6500 m² entstanden fast 1000 Arbeitsplätze. Damit wurde eines der Hauptziele erreicht. Im Sommer 2016 werden noch Leseterrassen eröffnet.

Architekt Micheal Frank ging in seinem Vortrag besonders auf das Gestaltungskonzept des Betonrohbaus nach der Asbestsanierung des Kommunikations- Informations- und Medienzentrum (KIM) der Universitätsbibliothek Konstanz ein. Für die Form- und Farbgebung des Baus spielten die 60er-Jahre als Inspiration eine wichtige Rolle. Als besondere farbliche Akzente im Gebäude, wurden Glastafeln in Spektralfarben verwendet. Ein Beispiel für deren Einsatz ist der PC-Pool „Yellow Submarine“. Insgesamt bewegt sich das Raumbild immer zwischen einer „Natürlichkeit und Künstlichkeit“ so Frank.

Die Trends amerikanischer Bibliotheken zeigte Sharon L. Bostick aus dem diesjährigen Gastland des Leipziger Bibliothekskongresses auf. Sie verdeutlichte, dass „die Studenten selbst entscheiden, wie sie Ihren Platz nutzen wollen“. Deshalb sind die Bauten oftmals flexibel eingerichtet und bedienen verschiedene Arten von Lernräumen. Viele Universitätsbibliotheken haben deutlich längere Öffnungszeiten als in Deutschland, teilweise 24 Stunden an bis zu fünf oder sieben Tagen pro Woche. Eine Besonderheit in den USA ist der Einsatz von ASRS (Automated Storage and Retrieval Systems): großen Regalbediengeräten, die auch als Marketinginstrumente genutzt werden.