Die nachhaltige Bibliothek – Entwicklung bis 2030

Nachhaltigkeit ist eines der dringlichsten Themen unserer Gesellschaft und inzwischen auch längst ein wichtiger Punkt in der Bibliotheks-Community. Die UN hat mit ihrer Agenda 2030 17 konkrete Ziele für die nachhaltige Entwicklung geliefert, denen sich auch Deutschland verpflichtet hat. Nun die Frage: Wie können Bibliotheken zur nachhaltigen Entwicklung beitragen und welche Rolle spielen die UN-Ziele für die Branche? Auf dem Bibliothekartag wurde intensiv diskutiert.

Von Clara Berrisch und Seán Köhlmoos

 

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Barbara Lison eröffnet die Diskussion zum Thema Nachhaltigkeit in Bibliotheken, Foto: bibliotheksnews/cb

Ökologische Nachhaltigkeit ist schon seit langer Zeit Thema in Deutschland und deutschen Bibliotheken. In den vergangenen Jahren traten immer mehr andere Aspekte der Nachhaltigkeit, zum Beispiel ökonomische oder soziale, in den Vordergrund. In der Veranstaltung „Agenda 2030: Bibliotheken übernehmen Verantwortung“ auf dem Bibliothekartag in Berlin wurde dies von Teilnehmern diskutiert. Ihr Konsens war, dass die Verbreitung und das Bewusstsein für die Agenda 2030 in der deutschen Bibliothekswelt noch ausgebaut werden muss.

Die Agenda 2030 basiert auf „fünf P“: People, Planet, Prosperity, Peace und Partnership. Diese fünf Grundlagen und die 17 Ziele mitsamt ihrer 169 Unterziele seien alle miteinander verflochten, sagt Barbara Lison, leitende Bibliotheksdirektorin der Stadtbibliothek Bremen. Sie sollen der Entwicklung „entgegenwirken, dass sich die Menschen selbst vernichten.“ Die IFLA, die mit der Lyoner Erklärung einen wesentlichen Beitrag zur Aufnahme der Bibliotheken in die Agenda geleistet hat, sieht das Ziel des öffentlichen Zugangs zu Informationen als wichtigsten Anknüpfungspunkt für Bibliotheken. Denn, so Lison: „Ohne Informationen geht gar nichts!“

Auch bei anderen Zielen können Bibliotheken Unterstützung bieten, wie Monika Ziller von der Stadtbibliothek Heilbronn an Beispielen aus der amerikanischen Bibliotheks-Community aufzeigen konnte. Diese legen einen Schwerpunkt darauf, Bibliotheken zu bürgerschaftlichen Zentren auszubauen. Sie bieten soziale Programme an, die gegen Hunger- oder Obdachlosigkeitsprobleme ankämpfen und Anlaufstelle für Hilfe und Unterstützung sind. Zu den Programmen gehören im Sommer kostenlose Mittagessen für Jugendliche, die sich selbst nicht versorgen können. Ziller fordert, dass Bibliotheken  in ihren Gemeinden eine Vorbildfunktion einnehmen müssen, vor allem, aber nicht nur, in Sachen Nachhaltigkeit. Wenn dies gelinge, könnten Bibliotheken einen starken positiven Einfluss auf ihre Umgebung haben und die Entwicklung zu größerer Nachhaltigkeit weiter vorantreiben.

Einen weiteren Fokus legen die amerikanischen Bibliotheken vor allem auf die frühkindliche Leseförderung. Die meisten Bibliotheken bieten täglich Programme für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen. Auch für Erwachsene werden Leseförderungsprogramme angeboten, die ihren Bedürfnissen entsprechend angepasst sind, zum Beispiel für schwangere Frauen. Um die Zugangsschwelle zu diesen Programmen zu senken, werden hier auch oft die Kosten für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln übernommen.

Viele Bibliotheken bieten Förderprogramme über die Sprach- und Lesekompetenz hinaus. Vor allem der Wissensdurst junger Nutzer soll gefördert werden. Mit Makerspace-ähnlichen Bastelkästen soll dies auf kreative Weise geschehen. Für manche Fragen werden auch gezielt Experten eingebunden, um die Neugier zu stillen. Monika Ziller betont: „Der Prozess, wie Information zu Wissen wird, ist ein Prozess, den Bibliotheken aktiv unterstützen müssen.“