Frankfurts Ehrengast: Das Land der coolen Bibliotheken

Finnland, das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2014, ist in der bewusst gewählten Doppeldeutigkeit „cool“: Es ist spannend und, seiner geografischen Lagen entsprechend, kühl – findet unsere Buchmesse-Reporterin Nicole Gageur.

Das Transparent vor dem Finnland Pavillon zeigt: Bibliotheken sind in Finnland wichtig, Foto: bibliotheksnews/ng

Das Transparent vor dem Finnland Pavillon zeigt: Bibliotheken gehören zum coolen Finnland, Foto: bibliotheksnews/ng

Der Finnland-Pavillon: eine Landschaft aus Eis und Schnee, Foto: bibliotheksnews/ng

Der Finnland-Pavillon: eine Landschaft aus Eis und Schnee, Foto: bibliotheksnews/ng

 

Genauso präsentiert sich der finnische Pavillon, der von drei Studierenden des Raum- und Möbeldesigns der Aalto-Universität Helsinki entworfen wurde. Eine Winterlandschaft empfängt den Besucher, er kann Eis, Schnee und die Ruhe Finnlands spüren.

Beim Raumkonzept spielen die Parks und die Bibliotheken Finnlands eine wichtige Rolle. Die Schatten, die auf die von den Decken hängenden riesigen Rotunden projiziert werden, erinnern an eine Parklandschaft, einen Erholungsort im Messetrubel. Atmosphärisch ließen sich die jungen Künstler von den Werten der finnischen Bibliotheken inspirieren. Sie gehen aus von den verschiedenen Bedürfnissen der Menschen, gehen auf sie ein und verlieren das Lesen dabei nicht aus dem Blick. Die Bibliotheken verstehen sich als das gemeinsame Wohnzimmer in dem die Menschen aktiv werden und teilhaben können. Sie soll für jeden erreichbar und nutzbar sein.

Finnland ist PISA-Land Nummer eins. Bildung wird in Finnland großgeschrieben, sie ist nicht nur Aufgabe der Schulen sondern auch der Bibliotheken. Die Finnen lieben ihre Bibliotheken, auf einem Flyer es heißt „die finnischen Bibliotheken sind unser ganzer Stolz“. Dass dies kein leerer Werbeslogan ist, zeigen Umfragen: Die Finnen kürten ihre Bibliotheken im letzten Jahr zum wichtigsten kulturellen Dienstleister. Pro Kopf und Jahr werden in Finnland 13 Bücher ausgeliehen, in Deutschland gerade mal drei. Weil die Bibliotheken für die Finnen so wichtig sind, haben sie sie zur Messe gleich mitgebracht. Mitten auf dem Messegelände, der Agora, parkt der Büchereibus für Kinder der Stadt Helsinki. Er ist mit lustig, bunten „Mumins“ bemalt. Nilpferdartige Trolle der Comic-Autorin Tove Jansson – die alle Finnen kennen. Damit fahren die Bibliothekare Kindergärten und Schulen der Stadt an. In Finnland müssen die Bibliothekare aber auch stramme Waden haben, die Mobilität geht nämlich noch weiter. In Helsinki fahren Bücherfahrräder durch die Stadt und bringen die Bücher direkt zu ihren Leserinnen und Lesern.

Es gibt in Finnland knapp 900 Bibliotheken, darunter etwa 150 mobile Einrichtungen. Das Bibliotheken in Finnland so einen hohen Stellenwert haben, liegt am Bibliotheksgesetz, sagt Armi Bernstein (Bibliothekarin und in Deutschland lebende Finnin) auf der Podiumsdiskussion von LIScorner http://liscorner.wordpress.com/ . Das Gesetzt von 1929 stellt sicher, dass es in jeder Gemeinde eine Bibliothek gibt. Was wir von den Finnen lernen können? Gibt den Bibliotheken mehr Raum und Geld, nehmt sie wichtiger, nutzt das Potenzial beispielsweise zur Leseförderung und zur Vermittlung von Medienkompetenz. Die Bibliotheken sollen für alle sichtbar sein und offenstehen.

In Helsinki sind Fahrräder als mobile Bibliotheken unterwegs, Foto: bibliotheksnews/ng

In Helsinki sind Fahrräder als mobile Bibliotheken unterwegs, Foto: bibliotheksnews/ng

 

Mit den berühmten Mumins verziehrte Bibliotheksbus für Kinder der Stadt Helsinki, Foto: bibliotheksnews/ng

Mit den berühmten Mumins verziehrte Bibliotheksbus für Kinder der Stadt Helsinki, Foto: bibliotheksnews/ng

 

Denise Hoßfeld und Marcel Testroet von LIScorner interviewen Michael Müller und Armi Bernstein (Mitte von links nach rechts) am Hot Spot zum finnischen Bibliothekswesen Foto: bibliotheksnews/ng

Denise Hoßfeld und Marcel Testroet von LIScorner interviewen Michael Müller und Armi Bernstein (Mitte von links nach rechts) zum finnischen Bibliothekswesen Foto: bibliotheksnews/ng